Persönlichkeit

15. März 2021 P 0

Persönlichkeit (personality), Gesamtheit der Eigenschaften und Fähigkeiten eines Individuums, die im Wechselspiel von Anlage und Umwelt entstanden, relativ stabil und einzigartig (individuell), aber über die gesamte Lebenszeit begrenzt wandelbar sind. Aktuell wird das Fünf-Faktoren-Modell (Big Five) von Costa & McCrea (1983, Psych. Wörterbuch 2004) favorisiert, das ein Anhaltspunkt bei der Persönlichkeitsbeurteilung sein kann. Es geht davon aus, dass sich die meisten der in der Psychologie in den letzten Jahrzehnten vorwiegend untersuchten Persönlichkeitsmerkmale (auch bei Kindern) mit fünf Faktoren oder Basisdimensionen charakterisieren lassen, die bei einzelnen Individuen mehr oder weniger stark ausgeprägt sind und sich auf Unterschiede in ihren Verhaltens- und Erlebensweisen zurückführen lassen:

Als „basic tendencies“ und persönliche Potenziale werden sie auf genetische Zusammenhänge und biologische Strukturen und Prozesse zurückgeführt (s. Tab.). Bisherige Untersuchungen zum Einfluss des Sports auf die Persönlichkeit zeigen ein so uneinheitliches Bild, dass der Begriff einer „Sportlerpersönlichkeit“ nicht haltbar ist. So ist auch nicht zu erwarten, „dass der Sport nur Menschen mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften anzieht, auswählt, an sich bindet und/oder bestimmte Persönlichkeitseigenschaften durchgehend verstärkt bzw. herausbildet“ (Singer 2000). Selbst im Schwimmen sind die Anforderungen an die Persönlichkeit teilweise so unterschiedlich, dass es unter diesem Aspekt auch nicht den „Schwimmertyp“ gibt (z.B.´Willensspannkraft des Langstrecklers zur Willensstoßkraft des Sprinters). Andererseits dürften bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie z.B. das Leistungsmotiv die meisten Sportler auszeichnen, aber bereits deren Übertragbarkeit auf andere Bereiche, wie z.B. die Schule, ist nicht zwingend. Bleibt uns als Trainer im Sinne der Persönlichkeitsdefinition die Erkenntnis, den Sportler als Individuum zu achten und bei allen Maßnahmen seine gesamte Persönlichkeitsstruktur im Blick zu haben. Dabei sollte der Trainer seinen Einfluss nicht unterschätzen, denn einfach nur Leistungssport zu betreiben, wirkt noch nicht charakterbildend (Beckmann & Elbe, 2008, S 46/47). Die Psychologie geht auf der Suche nach der Sportlerpersönlichkeit von zwei Annahmen aus, die sich gegenseitig tangieren können. Danach formt Sport einmal die Persönlichkeit, zum anderen sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale für sportliche Erfolge mitentscheidend. Die erste Annahme insinuiert, dass Sport einen Einfluss auf die Charakterbildung hat, die zweite Annahme stellt eine genetische Grundstruktur fest, die es für den Erfolg im Sport zwingend braucht (Aeschimann, W. in NZZ vom 19.03.2009: https://www.nzz.ch/den_typischen_spitzensportler_gibt_es_nicht-1.2221883 – Zugriff 15.03.21). .→Persönlichkeitsanalyse, →Talentauswahl

Persönlichkeitseigenschaften nach Costa & McReaa (Psychologisches Wörterbuch 2004, S.261)

Exkurs:

  • In einer Studie geben Laborde et al. (2020) eine systematische Übersicht über alle eigenschaftsbasierten Forschungsarbeiten in sport- und bewegungspsychologischen Zeitschriften zur Persönlichkeitswissenschaft im Kontext von Sport und Bewegung. Die so ermittelten Merkmale wurden den 30 Facetten der Big-Five-Merkmalsdimensionen zugeordnet. Die populärsten Traits waren Angst, Selbstwirksamkeit, Perfektionismus, Angst vor der sozialen Konstitution und Depression. Die beliebtesten Themen höherer Ordnung waren Eigenschaften, die mit negativem Affekt, Selbstvertrauen, Perfektionismus, Wettbewerbsfähigkeit und Selbstbewusstsein zusammenhängen. Die meisten Traits konnten den Facetten der Big Five zugeordnet werden, aber einige ließen sich nicht gut einer bestimmten Facette zuordnen. Nur wenige Merkmale ließen sich den Facetten von Verträglichkeit und Offenheit zuordnen.
  • Robbins (2019) erforschte in seiner Dissertation die Natur des Coachings bei englischen Schwimmtrainern. Alle befragten Trainer zeigten ein hohes Maß an persönlichem Antrieb und Wettbewerbsfähigkeit und waren rücksichtslos in Bezug auf die Standards, die sie sich selbst setzten und von ihren Athleten erwarteten. Als Gegengewicht zu ihrem harten No-Nonsense-Ansatz wiesen sie jedoch ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, emotionaler Arbeit und Fürsorge für ihre Athleten auf. Weitere Faktoren, die sich zeigten, waren ein hoch entwickeltes kontextuelles Bewusstsein, ein unstillbarer Hunger nach schwimmtechnischem Wissen und eine hohe Lernbereitschaft. In ihrer operativen Rolle zeigten sie die Fähigkeit, durch ein hoch entwickeltes „Auge des Trainers“ („Coaching-Eye“) zu sehen, was andere Trainer nicht sehen konnten. Sie waren auch in der Lage, effektive Trainer-Athleten-Beziehungen aufzubauen und ein Team von technischen Helfern zu managen, um die Bedürfnisse ihrer Athleten, die auf der Weltbühne antreten, zu erfüllen (Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator).
  • Das SWIMMING SCIENCE BULLETIN veröffentlichte eine Studie, wonach Coaches selbstbewusste Führungskräfte und effektive Kommunikatoren sein müssen. Planung und Problemlösung sind entscheidende Fähigkeiten. Erfolgreiche Trainer glauben an ihre Methoden, was wiederum die Schwimmer spüren und daraus Kraft und Motivation schöpfen (Return to Table of Contents for ICAR 1990-91 Report).

Mehr zum Thema:

„Zur Persönlichkeit reift man nur in den Tälern des Lebens.“ (Unbekannt)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.