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Begriff

Sensomotorik

Sensomotorik (sensorimotor functions), lat. sensus „Empfindung, Gefühl“ und motus „Bewegung“; Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur. Über sensorische Systeme (sehen, hören, fühlen, riechen) werden Informationen aufgenommen und parallel dazu in Bewegung (Motorik) umgesetzt (Beispiel: rote Ampel sehen und bremsen). Die wichtigsten sensomotorischen Systeme sind das visuelle Sehen, das Vestibularsystem und das Muskellängensystem.

Die Geschwindigkeit der sensomotorischen Reaktionen nimmt unter dem Einfluss eines langjährigen Trainings sowohl bei Flossenschwimmern als auch beim klassischen Schwimmen zu (Dyakova & Mironov, 2022). Spitzenschwimmer zeigten im einer Wasserumgebung eine höhere kortikale Inhibition (Hemmung) und überlegene sensomotorische Fertigkeiten (Sato et al. 2020).

Exkurs: Kinder sammeln in der Auseinandersetzung mit der Umwelt über die verschiedenen Sinne sensorische Erfahrungen. Daraus entwickeln sich komplexe motorische Muster, die letztendlich auch zum aufrechten Gang (Vertikalisierung) des Kindes innerhalb des ersten Lebensjahres führen. Anhand dieser Informationen, die das Kind sammelt, ist es im Nachfolgenden in der Lage, motorische Bewegungsmuster zu erlernen, zu kombinieren und immer wieder auszuprobieren, um die Lage im Raum in Verbindung mit dem Koordinations– und Gleichgewichtssinn zu jedem Zeitpunkt stabilisieren zu können und um sich gezielt fortbewegen, greifen usw. zu können. Ist die sensorische Verarbeitung und Wahrnehmung des Kindes eingeschränkt, so spricht man von einer sensomotorischen Entwicklungsverzögerung. (nach: http://kinderorthopaedie.berlin/entwicklungsverzoegerungen/)

Unter sensomotorischem Training werden Übungen zur Verbesserung von Bewegungsabläufen empfohlen, hauptsächlich aus dem Fundus des Koordinationstrainings. Dabei ist der Organismus auf ständige Rückmeldungen der verschiedensten Analysatoren angewiesen: Vestibulär-Organ im Innenohr und Propriozeptoren zur Steuerung der Gleichgewichtsfähigkeit, Messfühler (Muskelspindeln) zur Orientierung im Raum (Raumorientierung) usw. Bezüglich der Rehabilitation unterschiedlicher Krankheitsbilder und der Leistungsverbesserung konnte aber in zahlreichen Studien kein expliziter Vorteil eines sensomotorischen Trainings im Vergleich zu anderen Übungsinhalten (z.B. Krafttraining) nachgewiesen werden (Pfeifer et al. 2009). Unter Sensomotorik ist auch das Wassergefühl des Schwimmers einzuordnen.

Mehr zum Thema

  • LiteraturBruhn. S. (2003): Sensomotorisches Training und Bewegungskoordination (Habilschrift, Uni Freiburg Zur Quelle
  • LiteraturPfeifer et al. (2009). Wissenschaftliche Expertise „Sensomotorisches Training –Propriozeptives Training. BISp-Jahrbuch – Forschungsförderung 2008/09, 25-32 Zur Quelle
  • WebVideo google.com
  • WebLatash &, Wer vertieft in die Neurophysiologie und neuronale motorische Kontrolle einsteigen will, dem sei empfohlen: Latash & Singh (2024). Neurophysiological basis of motor control. Champaign Human Kinetics sponet.de
  • WebProst, S, Prost, S. (2020). Koordinationsschulung in Form eines sensomotorischen Trainings zur Verbesserung der Rumpfstabilität, Bewegungsausführung, muskulären Ansteuerung sowie des Wassergefühls im Nachwuchst sponet.de

Quellen

  • Dyakova & Mironov (2022). Features of adaptation of sensory systems of athletes in swimming with fin. Theory and Practice of Physical Culture (10), 31-33 Zur Quelle
  • Pfeifer, Banzer, Hänsel, Hübscher, Vogt & Zech (2009). Expertise Sensomotorisches Training / Propriozeptives Training. BISp-Jahrbuch – Forschungsförderung 2008/09, 25-32 Zur Quelle
  • Sato, Yamazaki, Yamashiro, Onishi. Baba. Ikarashi & Maruyama (2020). Elite competitive swimmers exhibit higher motor cortical inhibition and superior sensorimotor skills in a water environment. Behavioural Brain Research, 395 (Oktober), 112835. Zugriff am 06.08.2020 unter https://doi.org/10.1016/j.bbr.2020.112835 DOI Zur Quelle

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  • System, sensorischesEinheit der Rezeptoren von Auge, Gehör, Tastsinn …
  • MotorikGesamtheit willkürlicher Bewegungen, die auf Funktionen des sensorischen (Sensomotorik) …
  • VestibularapparatGleichgewichtsorgan im inneren Ohr.
  • MuskelspindelSpezifische Muskelfaser, die als Propriozeptor der Skelettmuskulatur …
  • FlossenschwimmenSpezielle Wettbewerbsform des Schwimmens, bzw. Streckentauchens …
  • CortexRinde; Rindenschicht eines Organs; Cortex cerebri (cerebral cortex)= Großhirnrinde …
  • Ansteuerung, neuromuskuläreAktivierung der Muskelfasern (Aktionspotential) …
  • AudiomotorikLat. audio „ich höre“ + motor „Beweger“ …
  • ExterozeptionLat. exter „außen befindlich“ und recipere „aufnehmen“ …
  • GehirnZentrales Organ aller geistigen Funktionen, in dem Bewusstsein und Gedächtnis und das …
Überarbeitet am 1. November 2023Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2023). Sensomotorik. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/sensomotorik/ (abgerufen am 20. Oktober 2026).