Aufmerksamkeit

16. März 2017 A 0

Aufmerksamkeit (attention), Fähigkeit aus der Reizflut der Umwelt nach Bedarf zu selektieren und damit ein „Zustand gesteigerter Bewusstheit und Konzentration(Psych. Wörterbuch 2004).

Der Sportler agiert wiederholt in Situationen, wo er seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand (Absprunglinie, Startsignal, Beckenwand zur Wende usw.) richten muss. Dabei werden unbeteiligte neurophysiologische Regelkreise regelrecht abgeschaltet („Tunnelblick“). Denn sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, bedeutet das klar bewusste Erkennen zu reduzieren (Baumann, 2006, S.200). Für den 50m-Sprinter gibt es zwei solcher Knotenpunkte: Start und Anschlag. Taktische Plänkeleien auf der Strecke würden vom Wesentlichen nur ablenken. Inwieweit der Sportler seine Aufmerksamkeit mehr auf sich (eigene Bewegung) oder auf das Umfeld lenkt, hängt von seinem Können (z.B. dem Grad automatisierter Bewegungen, Bewegungserfahrung) oder den spezifischen Bedingungen der Sportart ab, wobei Kampf- und Spielsportarten oder kompositorische Sportarten das höchste Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration abfordern. In den Ausdauersportarten ist besonders die Wahrnehmung von Körpersignalen (→Wassergefühl, wann Beinarbeit intensivieren, bis15m-Marke wieder auftauchen usw..) von Bedeutung. Letztlich ist es aber ein komplexes Geschehen und es sollten alle vier möglichen Aufmerksamkeitsausrichtungen (nach Niedeffer, s. Tab.) trainiert werden. Den Einfluss von Achtsamkeitstraining auf Aufmerksamkeit und Leistung bei Schwimmern ist in Studien nachgewiesen (Mardon et al. 2016, Freudenheim et al. 2011). Die höchste Stufe der Konzentration wird als „Fokussieren“ bezeichnet. Das lässt sich gut mi dem Zoom-Lens-Modell erklären. Indem wie bei einem Zoom-Objektiv die Aufmerksamkeit situationsabhängig entweder mit hoher Auflösung auf einen kleinen Bereich (Ball) fokussiert oder mit geringerer Auflösung auf einen größeren Bereich (Spielfeld) verteilt werden kann. Beachtet man die Erkenntnisse der Motorikforschung, wonach eine bewusste Kontrolle automatisierter Bewegungen (→Bewegungsautomatisierung) zu Leistungseinbußen führt, dann scheint vieles dafür zu sprechen, dass ein externer Fokus gegenüber einem internen Fokus für automatisierte Prozesse vorteilhaft ist (Schücker et al. 2010). Hiervon zeugt auch der zunehmende motivierende bis steuernde Einsatz von Musik (über MP3-Player) bei Radrennfahren, Triathleten. →Audiomotorik, →Apperzeption

 

external

  weit

external-weit

optimal um komplexe Situationen zu „lesen“, um Umfelder einzu-schätzen. Ermöglicht hohes Maß an Antizipation

external – eng

erforderlich beim Reagieren auf eine situative Anforderung. Aufmerksamkeit eingeengt (fokussiert).

 eng

internal – weit

Analyse des Eigenzu-standes, der Gesamtem-pfindlichkeit z.B. vor Entscheidungen. Wichtig für schnelles Lernen

internal – eng

optimal, um Sensibilität für psychische und somatische Prozesse zu erwerben („in-sich-hinein-hören“). Erforderlich, um sich zu „Zentrieren“ und zu regulieren und um mental zu trainieren

internal

 

Tab.: Formen der Aufmerksamkeit nach Niedeffer (1976), (bei Beckmann & Elbe, 2008, S.77)

 

„Aufmerksamkeit ist das Leben“ J. W. v. Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Staatsmann

 

Mehr zum Thema: http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/aufmerksamkeit/1655


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.