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Begriff

Habituation

Habituation (habituation), lat. habituari „mit etwas behaftet sein“, allmähliches Verschwinden einer durch einen Reiz ausgelösten Reaktion, das Nachlassen instinktiver Antwortreaktionen (Clauß, 1976, S. 220) und somit erlernte Verhaltensunterdrückung. Ein gutes Beispiel ist der Brillenträger, der seine auf der Nase sitzende Brille sucht. Gegensatz: →Potenzierung, →Sensibilisierung

Habituation ist eine Grundlage des einfachen Lernens sportlicher Bewegungen (→Lernen, motorisches, →Gleichgewichtssinn, →Sensorik der Muskulatur). So konzentriert sich das Gehirn im Techniktraining auf Abweichungen vom Erwarteten, während durch wiederholtes Auftreten Bekanntes instinktiv ausgeschaltet wird, d.h. es hat sich an bestimmte Bewegungsmuster gewöhnt (→Automatisierung).

  • Beispiel: Beim täglichen Training oder Wettkampf in der eigenen Schwimmhalle fühlt sich der Schwimmer „zuhause“ (→Heimvorteil). In fremden Wettkampfstätten bewirkt hingegen eine Vielzahl unbekannter Reize seine Unsicherheit und Nervosität. Deshalb ist es wichtig, sich bei wichtigen Wettkämpfen längerfristig an die Wettkampfstätte zu gewöhnen (habituieren).
  • Der Schwimmanfänger muss sich erst einmal an den ihm fremden Bewegungsraum Wasser gewöhnen, bevor er technische Elemente erlernen kann. Deshalb ist die Wassergewöhnung der unverzichtbare Einstieg.

Exkurs: In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 mussten sich die Schwimmer auf ungewöhnlich spät stattfindende Wettkämpfe (22.00 – 0.30 Uhr) vorbereiten. Eine wissenschaftliche Begleitung zeigte, dass „mehr als zwei Tage unter „late night“-Bedingungen die Leistung der Athleten beeinträchtigen, was sich stark auf ihr „morgendliches“ Profil auswirkt. Um diese Auswirkungen zu verringern, muss mehr Gewicht auf die Ermittlung des Ernährungs- und Schlafbedarfs von Eliteschwimmern gelegt werden, um geeignete Erholungsstrategien zusammenzustellen, die ihnen helfen, effektiv zu trainieren, um die Leistungsergebnisse zu maximieren“ (Migliaccio et al. 2016). Ältere (damit erfahrene) Schwimmer haben diese Zeitverschiebung besser verkraftet (https://www.swimmingworldmagazine.com/news/age-analysis-of-rio-swimming-finalists-the-older-the-better/– Zugriff 17.06.2019). Dabei sind Vor- und Nachteile genau abzuwägen. →Chronobiologie

Mehr zum Thema

Quellen

  • Migliaccio, Di Nino, Avaldi, Bazzu, Mullen & Padulo (2016). Effects of circadian rhythms on night-time swimming during the Olympics: The results of a pilot study in preparation for Rio 2016. Manuscript and coaching applications. Journal of Swimming Research (24)1, 3-12; 1-6 Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • ReizSignal oder Information aus der Umwelt (äußerer Reiz) oder aus dem Körper (innerer Reiz) …
  • ReaktionLat. reactio ‚Rückhandlung‘; bei lebenden Systemen die Antwort des Organismus auf einen …
  • PotenzierungLat. potentia ‚Macht, Kraft, Vermögen, Fähigkeit‘, übertragen „erhöhen …
  • SensibilisierungLat.sensibilis, wahrnehmbar …
  • Lernen, motorisches„Erwerb motorischer Handlungskompetenz durch Aneignung motorischer …
  • GleichgewichtsfähigkeitKomponente der koordinativen Fähigkeiten (Hirtz, 1997) …
  • SensorikLat. sensus „Empfindung, Gefühl“ …
  • GehirnZentrales Organ aller geistigen Funktionen, in dem Bewusstsein und Gedächtnis und das …
  • AutomatisierungLat. automatus „aus eigenem Antrieb“; Organisation technischer Vorgänge …
  • SensitivierungLat. sentire „fühlen“; Lernprozess bei dem sich ein Reiz mehrfach als …
Überarbeitet am 24. Mai 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Habituation. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/habituation/ (abgerufen am 20. Oktober 2026).