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Begriff

Chronobiologie

Chronobiologie (chronobiology), Wissenschaft von den Schwankungen der Körperfunktionen im Tagesrhythmus (zirkadianer Rhythmus), wie Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Hormon– und Elektrolytspiegel. →Biorhythmus

So wie im normalen Alltag bestimmte Chronotypen (Frühaufsteher = „Lerche“, Spätaufsteher = „Eule“) zu erkennen sind, so gibt es klare Anzeichen dafür, dass Sportler Sportarten auswählten, die ihrem Chronotyp entsprechen bzw. dass ihre Leistung tageszeitlich schwankt (Lastella et al 2016). Deshalb sollte der Chronotyp des Athleten während des Auswahlprozesses berücksichtigt oder die Trainingsplanung darauf abgestimmt werden (Rae et al. 2015). Dabei ist Flexibilität gefragt, denn die Wettkampfzeiten ändern sich durch den Druck der Fernsehanstalten ständig, so dass durchaus bereits am frühen Morgen zum Finale geblasen wird. Der Chronotyp ist zwar im Grundsatz genetisch angelegt, aber der Mensch ist anpassungsfähig. Individuelle (innere) und kollektive (äußere) Uhr werden justiert. Ergometrietests und weitere physiologische Maßnahmen wurden während der „normalen Arbeitszeit“ weniger durch die Tageszeit beeinflusst als durch die Motivation der Probanden (McCormick et al. 2012). Problematischer ist aber diie Anpassung an einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus, die konsequent erfolgen sollte (→Jetlag). Untersuchungen mit Schwimmern in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio (Finale um Mitternacht) zeigten, dass die Tageszeit einen signifikanten Einfluss auf psychologische und physiologische Parameter hat (Migliaccio et al. 2016).

Der amerikanische Kinderkardiologe und Langstreckenläufer W. Rowland (2011) hat die meisten solcher chronobiologischen Phänomene zusammengestellt. Er führt diese auf einen zentralen Generator für rhythmische Muster (central pattern generator, CPG) zurück, den man trainieren muss, um optimale Leistungen zu erzielen. Abdurrahmanova et al. (2018) analysierten Wettkämpfe von Athleten nach dem Zeitpunkt im Verhältnis zu den Trainingsstunden und kamen zu dem Schluss, dass eine zeitliche Übereinstimmung im Tagesablauf die Leistung positiv beeinflussen kann. Wir empfehlen deshalb den Tagesrhythmus des Wettkampfes bereits auf die UWV zu übertragen (Rudolph et al. 2014, S.255).

Exkurs: 2017 erhielten die US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Youngden den Nobelpreis für ihre grundlegenden Arbeiten zur Chronobiologie. Sie entschlüsselten die innere Uhr des Menschen und halfen so zu verstehen, wie essenziell der Rhythmus von Tag und Nacht mit den Funktionen des Lebens zusammenhängt. „Diese zirkadianen Rhythmen sind eine der wichtigsten Eigenschaften des Lebens, denn durch die Rotation der Erde um die Sonne und um sich selbst verändern sich die Lebensbedingungen seiner Bewohner stetig. Hell folgt auf Dunkel, Wärme auf Kälte, und das in einem Rhythmus von 24 Stunden, aber auch im Wechsel der Jahreszeiten. Die Zellen von niederen wie höheren Lebewesen reagieren auf diese Veränderungen nicht nur durch ihr Verhalten, sondern auch physiologisch, also körperlich. Es sind unentbehrliche Reaktionen, ohne sie wäre das Leben auf der Erde nicht möglich. Wird der Rhythmus hingegen gestört – etwa wenn der Mensch nach der Zeitumstellung plötzlich eine Stunde früher aufstehen soll – gerät der Stoffwechsel durcheinander.

Quellen

  • Abdurrahmanova, Canuzakov, Demirhan, Nigar, Bolzhirova & Parpibaev (2018). The analysis of scores of athletics competition held at the different times of the day. Science, Movement & Health (18)2, 113-118 Zur Quelle
  • Lastella, Roach, Halson & Sargent (2016). The chronotype of elite athletes. Journal of Human Kinetics (54)1, 219-225 Zur Quelle
  • McCormick, Kilgore, Watson &Baker (2012). Perceptual feeling and time-of-day effects on high intensity exercise performance. Journal of Biology of Exercise (8)2, 5-18 Zur Quelle
  • Migliaccio, Di Nino, Avaldi, Bazzu, Mullen & Padulo (2016). Effects of circadian rhythms on night-time swimming during the Olympics: The results of a pilot study in preparation for Rio 2016. Manuscript and coaching applications. Journal of Swimming Research (24)1, 3-12; 1-6 Zur Quelle
  • Rae, Stephenson & Roden (2015). Factors to consider when assessing diurnal variation in sports performance: the influence of chronotype and habitual training time-of-day. European Journal of Applied Physiology (15)6, 1339-1349 Zur Quelle
  • Rowland, Th.W. (2011), The Athlete’s Clock. How Biology and Time Affect Sport Performance, Leeds: Human Kinetics Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • BlutdruckKraft, die durch die Pumpleistung des Herzens das Blut gegen den Gefäß- und …
  • PulsLat. pellere „schlagen, klopfen“; pulsum; Druckwelle …
  • KörpertemperaturTemperatur des Körperinneren (Körperkerntemperatur) …
  • HormoneGriech. ὁρμᾶν hormān „antreiben, erregen“ …
  • ElektrolytGriech. elektron „Bernstein“ i. ü.
  • Biorhythmus„Lebensrhythmus“, in Zyklen oder Phasen sich wiederholende physiologische Abläufe …
  • AuswahlEtwas nach bestimmten Vorstellungen aus einer Menge aussuchen.
  • TrainingsplanungGedankliche Vorwegnahme und schriftliche Fixierung (Trainingsplan) …
  • ChronotypGriech. Χρόνος „Zeit“; von der „inneren Uhr“ (biologischer Rhythmus) bestimmte …
  • HabituationLat. habituari „mit etwas behaftet sein“ …

Schlagwörter

Überarbeitet am 17. Mai 2018Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2018). Chronobiologie. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/chronobiologie/ (abgerufen am 1. November 2026).