Chronobiologie

17. Mai 2018 C 0

Chronobiologie (chronobiology), Wissenschaft von den Schwankungen der Körperfunktionen im Tagesrhythmus (zirkadianer Rhythmus), wie Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Hormon– und Elektrolytspiegel. →Biorhythmus

So wie im normalen Alltag bestimmte Chronotypen (Frühaufsteher = „Lerche“, Spätaufsteher = „Eule“) zu erkennen sind, so gibt es klare Anzeichen dafür, dass Sportler Sportarten auswählten, die ihrem Chronotyp entsprechen bzw. dass ihre Leistung tageszeitlich schwankt (Lastella et al 2016). Deshalb sollte der Chronotyp des Athleten während des Auswahlprozesses berücksichtigt oder die Trainingsplanung darauf abgestimmt werden (Rae et al. 2015). Dabei ist Flexibilität gefragt, denn die Wettkampfzeiten ändern sich durch den Druck der Fernsehanstalten ständig, so dass durchaus bereits am frühen Morgen zum Finale geblasen wird. Der Chronotyp ist zwar im Grundsatz genetisch angelegt, aber der Mensch ist anpassungsfähig. Individuelle (innere) und kollektive (äußere) Uhr werden justiert. Ergometrietests und weitere physiologische Maßnahmen wurden während der „normalen Arbeitszeit“ weniger durch die Tageszeit beeinflusst als durch die Motivation der Probanden (McCormick et al. 2012). Problematischer ist aber diie Anpassung an einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus, die konsequent erfolgen sollte (→Jetlag). Untersuchungen mit Schwimmern in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio (Finale um Mitternacht) zeigten, dass die Tageszeit einen signifikanten Einfluss auf psychologische und physiologische Parameter hat (Migliaccio et al. 2016).

Der amerikanische Kinderkardiologe und Langstreckenläufer W. Rowland (2011) hat die meisten solcher chronobiologischen Phänomene zusammengestellt. Er führt diese auf einen zentralen Generator für rhythmische Muster (central pattern generator, CPG) zurück, den man trainieren muss, um optimale Leistungen zu erzielen. Abdurrahmanova et al. (2018) analysierten Wettkämpfe von Athleten nach dem Zeitpunkt im Verhältnis zu den Trainingsstunden und kamen zu dem Schluss, dass eine zeitliche Übereinstimmung im Tagesablauf die Leistung positiv beeinflussen kann. Wir empfehlen deshalb den Tagesrhythmus des Wettkampfes bereits auf die UWV zu übertragen (Rudolph et al. 2014, S.255).

Exkurs: 2017 erhielten die US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Youngden den Nobelpreis für ihre grundlegenden Arbeiten zur Chronobiologie. Sie entschlüsselten die innere Uhr des Menschen und halfen so zu verstehen, wie essenziell der Rhythmus von Tag und Nacht mit den Funktionen des Lebens zusammenhängt. „Diese zirkadianen Rhythmen sind eine der wichtigsten Eigenschaften des Lebens, denn durch die Rotation der Erde um die Sonne und um sich selbst verändern sich die Lebensbedingungen seiner Bewohner stetig. Hell folgt auf Dunkel, Wärme auf Kälte, und das in einem Rhythmus von 24 Stunden, aber auch im Wechsel der Jahreszeiten. Die Zellen von niederen wie höheren Lebewesen reagieren auf diese Veränderungen nicht nur durch ihr Verhalten, sondern auch physiologisch, also körperlich. Es sind unentbehrliche Reaktionen, ohne sie wäre das Leben auf der Erde nicht möglich. Wird der Rhythmus hingegen gestört – etwa wenn der Mensch nach der Zeitumstellung plötzlich eine Stunde früher aufstehen soll – gerät der Stoffwechsel durcheinander.


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