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Begriff

Herzfrequenzvariabilität (HRV)

Herzfrequenzvariabilität (HRV) (heart-rate variability), Oszillationen (Schwingungen) der Herzperiodendauer (RR-Intervalle) zur Beurteilung der kardialen autonomen Reaktionslage (Abweichungen von Herzschlag zu Herzschlag). Die HRV ist seit Jahren zur Früherkennung und Prognosebeurteilung pathologischer Prozesse (Myokardinfarkt, Schlaganfall) in der klinischen und intensivmedizinischen Diagnostik etabliert.

In der Sportmedizin unterliegt die HRV besonderen Rahmenbedingungen, die noch eine Anpassung der Methode erfordern (Horn, 2004). Nach einem zweiwöchigen Trainingslager konnte bei „nicht überlasteten“ Schwimmern eine „Aktivität des autonomen Nervensystems bei gleichzeitiger Akzentuierung des Sympathikus“ nachgewiesen werden (Schwarz et al. 2001). Die HRV erwies sich als empfindlichster Marker für Trainingsbelastungsschwankungen, während Schlaf, Kraft und Schwimmleistung stabil blieben und kann als praktisches Werkzeug zur Überwachung von Trainingsreaktionen und zur Steuerung der Trainingsbelastung bei Wettkampfschwimmern eingesetzt werden (Carvalhoe et al. 2025).

Da die Herzfrequenz sehr individuell reagiert („einzigartig wie ein Fingerabdruck“) sind viele der Herzfrequenzformeln untauglich. Im Gegensatz wird eine Arrhythmie gegenüber einem chronologisch starren Herzschlag für vorteilhafter gesehen. Neuerdings ist die HRV mit einem Ohrclip und entsprechender Software zu ermitteln. Die im Diagramm dargestellten Messwerte sind dann angeblich einfach zu interpretieren.

 

Trotz einiger Vorbehalte versprechen sich Läufer von der Erfassung der HRV mit den gepriesenen Anwendungsfeldern im Sport wahre Wunder. Warten wir ab, zumindest erinnert das an die euphorische Phase mit Pulsuhren und Herzfrequenzformeln:

Exkurs: Einige Trainingswissenschaftler sehen den unmittelbaren Nutzen der HRV für den Leistungssport schon etwas kritischer, da die vorliegenden Ergebnisse nicht repräsentativ und teilweise widersprüchlich sind (Hottenrott et al. 2006, Gronwald et al. 2024). Deshalb versucht eine Arbeitsgruppe der dvs für die Anwendung von HRV im Sport relevante Standardisierungsvorgaben, Referenzgrößen und Anwendungsempfehlungen zu erarbeiten und diese in die verschiedenen (sport)wissenschaftlichen Anwendungsfelder sowie die Sportpraxis zu transferieren (http://www.hrv-sport.de/forschungsgruppe/– Zugriff 7.07.2019). Für den fortlaufenden Trainingsprozess wird nach Untersuchungen von Hottenrott & Gronwald (2014, S. 13) die begleitende HRV-Messung besonders während intensiver bzw. umfangreicher Ausdauerbelastungen (Trainingslager) als sinnvoll betrachtet, außerdem mindestens eine Woche lang danach, um den Regenerationsverlauf verfolgen und bewerten zu können, sowie während der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV). So nahm nach einem dreiwöchigen intensiven Training und der folgenden Taperphase die Herzfrequenzvariabilität während der Umfangsreduzierung (tapern) ab und während des Wettkampfes zu (Hellard et al. 2014). Bei einem Olympiaschwimmer wurde mittels HFV-Messungen Training und Ermüdung erfasst, die sich in drei verschiedene Arten von Ermüdungsveränderungen (Fatigue Shifts) zeigten und spezifischen Veränderungen der sympathovagalen Einstellungen (Balance zwischen sympathischen Nervensystem und Vagustonus) entsprachen (Schmitt et al. 2016). Während des Höhentrainings konnte bei Schwimmern ein hypoxischer Reiz zu Symptomen einer akuten Bergkrankheit und Veränderungen im vegetativen Gleichgewicht mit der Herzfrequenzvariabilität nachgewiesen werden (Calderon-Soto et al. 2012). Flatt et al. (2022) führten Unterschiede in der Herzfrequenzvariabilität zwischen Elite- und Subelite-Schwimmer/innen auf Trainingsalter und Wettkampferfahrung zurück.

„Wenn der Herzschlag so regelmäßig wie das Klopfen eines Spechtes oder das Tröpfeln des Regens auf dem Dach wird, wird der Patient innerhalb von vier Tagen sterben.“   Wang Shu-he, 3. Jahrhundert

Quellen

  • Calderon-Soto, Morales, Rodriguez, Iglesias, Feriche, Vazguez, Rodriguez-Zamora, Barrero & Hynynen (2012). Heart rate variability and acute mountain sickness during the acclimatization period of altitude training camp in elite swimmers. Sport Science Research Group, INEFC-Barcelona (https://www.scielo.br/j/rbcdh/a/tYgKXnRrcWWqH9v8rfKyBGq/?lang=en Zugriff 18.11.22) Zur Quelle
  • Horn, A. (2004). Diagnostik der Herzfrequenzvariabilität in der Sportmedizin – Rahmenbedingungen und diagnostische Möglichkeiten. BISp-Jahrbuch, 51 – 73 Zur Quelle
  • Hottenrott & Gronwald (2014). Bedeutung der Herzfrequenzvariabilität für die Regenerationssteuerung. Leistungssport 5/2014, 9-13 Zur Quelle
  • Schmitt, Regnard, Auguin & Millet (2016). Monitoring training and fatigue with heart rate variability: Case study in a swimming Olympic champion. Journal of Fitness Research (5)3, 38-45 Zur Quelle

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Überarbeitet am 4. September 2026Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2026). Herzfrequenzvariabilität (HRV). In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/herzfrequenzvariabilitaet-hrv/ (abgerufen am 16. Oktober 2026).