Belastbarkeit

03. November 2020 B 0

Belastbarkeit (load tolerance), Fähigkeit des Organismus, Belastungen ohne gesundheitliche Störungen zu ertragen, oder in Bezug auf den Sport die Trainings– und Wettkampfbelastungen positiv zu verarbeiten. Belastbarkeit ist eine komplexe Zustandsgröße des Organismus, die durch genetische Veranlagung, Umwelteinflüsse und innere Bedingungen gekennzeichnet ist. Kategorien sind die allgemein – organismische Belastbarkeit, die mechanische Belastbarkeit, die psycho-soziale Belastbarkeit und die Belastbarkeit leistungsbestimmender Systeme (s. Abb.). Dabei ist die Belastbarkeit des Organismus so groß wie die Leistungsfähigkeit seines schwächsten Gliedes. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Training, insbesondere in den Entwicklungsphasen der Kinder und Jugendlichen (Fröhner,1993). Nicht zu unterschätzen ist dabei „geplante Erholung“ (→Belastungs-Beanspruchungs-Interaktion). So konnte bei Eliteturnerinnen ein Abfall der sportlichen Leistung bei Schlafdefiziten festgestellt werden (Dumortier et al. 2018).

Abb.: Kategorien der Belastbarkeit nach Fröhner, 1993, S. 13 und Schnabel et al. 2008, S. 246)

Beispiele: 1. Ein hochtalentierter Schwimmer kann seine Leistungen nicht steigern, da er sein Training wegen Infekten immer wieder unterbrechen muss. Er ist hoch motiviert, doch kommt er nicht dazu sein Talent zu entfalten. Hier hilft in den „gesunden Trainingsphasen nicht mehr oder intensiveres Training, sondern grundsätzlich der Mut zur Pause. Der Junge braucht einmal Zeit für sich, für eine „Runderneuerung“, besonders für eine Stabilisation seines Immunsystems. Erst dann wird er wieder belastbar sein und seine Karriere erfolgreich fortsetzen können.

2. Monotones „Kachelzählen“ bereits in frühen Jahren führt zu muskulären Dysbalancen. Bei Schwimmern ist besonders das Schultergelenk betroffen, da die Innenrotatoren oftmals stärker beansprucht sind als deren Antagonisten. Die Folge sind Schulterschmerzen, die wiederum Trainingseinschränkungen und Leistungsabfall bedingen. Dem sollte bereits prophylaktisch mit Kräftigungs-, Dehnungs- und Sensomotorikübungen entgegnet werden (Mühlberger 2015).

3. In der Hatz zwischen Schule/Studium und Training werden oft Abstriche am Essen gemacht („Mahlzeit zwischen Tür und Angel“). Dabei wird unterschätzt, dass erst eine optimale Ernährung die im Leistungssport notwendige Belastbarkeit sichert. Es fehlen dann nicht nur die notwendigen Kalorien für die Muskelarbeit, sondern auch das Immunsystem wird auf Dauer geschwächt.

Exkurs:

  • Entgegen früherer Lehrbuchmeinung sind Kinder gut aerob und anaerob belastbar. Sie regenerieren sogar schneller nach intensiven Belastungen als Erwachsene. Kritisch können sich aber die mit einer frühzeitigen Spezialisierung verbundenen chronisch-monotonen Übungen und hohen Stoßbelastungen auf den passiven Bewegungsapparat auswirken (Sperlich et al. 2009). Damit liegen im Schwimmen die Belastungsprobleme weniger im Training selbst als in der durch Schule/Studium und Leistungssport hervorgerufenen Gesamtbelastung (→Stress, →Doppelbelastung Schule und Sport).
  • Bei der Entwicklung von Rehabilitations– oder Leistungsprogrammen sind 3 Konzepte entscheidend: der „Boden“, die „Decke“ und die Zeit. Der Boden repräsentiert die aktuelle Kapazität des Athleten, während die Decke die Kapazität darstellt, die für die Ausübung der spezifischen Aktivitäten der Sportart erforderlich ist. Eine Herausforderung in den meisten Sportumgebungen ist die Zeit, die benötigt wird, um vom Boden zur Decke zu gelangen. Werden die Trainingsbelastungen der Athleten zu schnell gesteigert, besteht ein erhöhtes Verletzungs– und Leistungsrisiko (Gabbett 2020).

    Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

„Wie belastbar Kinder sind, stellt sich immer erst zwanzig Jahre später heraus“ Thomas S. Lutter (*1962), deutscher Lyriker und Musiker


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