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Begriff

Dysbalance, muskuläre

Dysbalance, muskuläre (muscular imbalance), Missverhältnis zwischen Synergisten und Antagonisten als Folge einseitigen, spezifischen Trainings. Zu starke muskuläre Dysbalancen können auf ganze Muskelschlingen und die beteiligten Gelenke übergreifen und somit zu arthromuskulären Dysbalancen führen (Störung des arthromuskulären Gleichgewichts), die ganze Bewegungsmuster beeinträchtigen können und die Verletzungsanfälligkeit erhöhen. →Funktionssyndrom, →Dehnung, →Krafttraining

Durch die hohen Trainingsumfänge von bis zu 3000 km im Jahr oder 30 Stunden pro Woche und die damit verbundenen stereotypen Bewegungsabläufe werden beim Schwimmer die Kraftverhältnisse in Schulter-, Kniegelenk und Lendenwirbelsäule verändert, was zu „Schwimmerschulter“ und  „Schwimmerknie“ führt (Höltke et al., 1995; Pieper & Schulte 1996). Hochqualifizierte Schwimmer sind aber in hohem Maße an die Schwimmspezifik angepasst und spüren weniger negative Veränderungen im Bereich des Halte- und Bewegungsapparats. Die Häufigkeit muskulären Dysbalancen steigt aber mit zunehmendem Alter (Solovjova 1997).

Zunehmendes spezifisches Training erfordert, das arthromuskuläre Gleichgewicht ständig zu prüfen (→Muskelfunktionstests, z.B. JANDA – Test). Im Vordergrund stehen hierbei die zu Verkürzungen und Abschwächung neigenden Muskeln. So verursachen bei 50% der Schwimmerinnen zu schwache Bauchmuskeln Beschwerden in der Wirbelsäulenregion. Bei 30% ist der Hüftlendenmuskel begrenzt dehnbar. Dysbalancen in der Rechts-Links-Ebene sind bei Schwimmern selten, da im Schwimmen beidseitige Bewegungsmuster dominieren (Fröhner, 2002).  Die beste Prophylaxe sind vielseitige Kräftigungsübungen vom Nachwuchstraining an, in dem auch die zur Abschwächung neigenden Muskeln gekräftigt werden.

Das über Jahre empfohlene Dehnungstraining kann nicht direkt zur Behebung muskulärer Dysbalancen beitragen. Aber „Dehnübungen können als unterstützende Maßnahmen zur Wiedergewinnung korrekter arthromuskulärer Balancen eingesetzt werden. Denn: Verkürzt sich ein Muskel z.B. aufgrund einer veränderten Lebensweise oder infolge einer verletzungsbedingten Schonhaltung, kann er zusätzlich an Dehnfähigkeit verlieren und – verbunden damit – das Vermögen, im ursprünglichen Gelenkbereich zu agieren, einbüßen. Soll in einem solchen Fall eine Dysbalance behoben werden, muss zuerst durch Dehnungsübungen sichergestellt werden, dass der Muskel seine ursprüngliche Dehnfähigkeit zurückgewinnt, um im angestrebten Gelenkbereich agieren zu können. Dann erst können Maßnahmen zur Verlängerung des verkürzten Muskels zwecks Behebung der Dysbalance einsetzen.“ (Wiemann, 2001, S.29)

Abb.: Zur Verkürzung (gelb) und Abschwächung (rot) neigende Muskeln (www.uni-saarland.de/fak8/bi13wn/kidcheck/haltung.htm
Zur Verkürzung (gelb) und Abschwächung (rot) neigende Muskeln (www.uni-saarland.de/fak8/bi13wn/kidcheck/haltung.htm

 

Abb.: Behandlung muskulärer Dysbalancen (nach Wiemann, 2001, S. 36)
Behandlung muskulärer Dysbalancen (nach Wiemann, 2001, S. 36)

 

Quellen

  • Mühlberger, C. (2015). Belastbarkeitssicherndes Ausgleichstraining im Sportschwimmen. Leistungssport (45)1, 4-6 Zur Quelle
  • Solovjova, J. (1997). Correction of muscular imbalance for prevention of damages of swimmer's support-locomotory apparatus. Proceedings XII FINA World Congress on sports medicine, April 1997 Göteborg, Sweden Zur Quelle

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Überarbeitet am 7. April 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Dysbalance, muskuläre. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/dysbalance-muskulaere/ (abgerufen am 23. Oktober 2026).