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Begriff

„Schwimmerschulter“

Schwimmerschulter (swimmer’s shoulder), Bezeichnung für schmerzhafte Entzündungserscheinungen, die auf den Bewegungsablauf beim Kraul-, Rücken– und Delfinschwimmen zurückzuführen sind, insbesondere wenn dies noch unter erhöhten Widerständen (→Paddles, →Zugbank) geschieht.  Die extreme Abduktion mit Außenrotation sowie Drehung des Schulterblattes zu Ende des Armzuges und die starke Adduktion mit Innenrotation am Ende der Unterwasserphase belasten die Rotatorenmanschette und den Schleimbeutel im Schulterbereich (bursa subacromialis). Dabei spielt der Belastungsumfang eine große Rolle. Nach einer Studie bei Eliteschwimmern hatten alle Athleten mit einem Trainingsumfang über 20 Stunden (Wasser) bzw. 60 km pro Woche Supraspinatussehnenprobleme (Sein et al. 2010). Grigan et al. (2024) konnten eine starke Korrelation zwischen einer schlechten vorderen Schulterbeweglichkeit und nachfolgenden Schulterschmerzen nachweisen. Die Schmerzen traten unabhängig von der Schwimmart, der Distanz oder dem Geschlecht auf, mit einer Ausnahme: Bei einem bestimmten Grad an Beweglichkeit waren Delfinschwimmer häufiger von dieser Verletzung betroffen als andere.

Prophylaktisch kann durch Aufwärmprogramme und durch Kräftigung der beteiligten Muskulatur einem Impingementsyndrom (Schmerzen zwischen Schulterdach und Oberarmkopf) vorgebeugt werden (→ www.svl.ch/swimmersshoulder.html).  Dabei zeigte ein präventives Übungsprogramm mit verschiedenen Geräten (Gummiband versus Gewicht) eine große Variabilität in der myoelektrischen Aktivität der Schultermuskeln (Tavares et al. 2024, Quigley et al. 2025). Aber auch die Bewegungsausführung spielt eine Rolle. So leiten unter den Entzündungserscheinungen mehr Schwimmerinnen, weil bei ihnen die Druckphase geringer ausgeprägt sei als bei den Schwimmern (Becker & Havriluk 2014).

"Schwimmerschulter"

Engstelle der „Schwimmerschulter“ (mit Genehmigung von Herrn PÖTZL, Orthopädie Uni Münster)

Exkurs: Oxford-Professor Carr hat mit seinem Team Patienten mit Engpassyndrom für drei Gruppen ausgelost. A. Endoskop mit Knochenbehandlung (subakromiale Dekompression), B. Endoskop mit Knochenbehandlung zum Schein (Placebo) und C. nur äußerliche Untersuchung. Ein Jahr später ging es den Patienten gleich gut und Carr folgerte, dass die Operation klinisch gesehen nicht nützlicher ist als auf die Operation zu verzichten und abzuwarten (DER SPIEGEL 47/17.11.2018, S. 119). Tate et al. (2025) verglichen Schulterfunktion und Schulterschmerzen mit der Schwimmleistung. Die anfänglichen KJOC-Werte (Fragebogens der Kerlan-Jobe Orthopaedic Clinic), nicht jedoch die Schmerzen, standen in Zusammenhang mit der individuellen Schwimmleistung. Sie empfehlen deshalb der Verbesserung der Vorsaisonfunktion (Athletik/GA) Priorität einzuräumen. Durch Ausdauertraining induzierte Hypoalgesie (Herabgesetzte Schmerzempfindung) und Motivation könnten erklären, warum Schulterschmerzen keinen Einfluss auf die Leistung haben. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die optimale Periodisierung und das optimale Landtraining zu ermitteln.

„Wer konservativ behandelt, ist kein Orthopäde zweiter Klasse“ Burkhard Lembeck, Facharzt für Orthopädie (in: https://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/485172, Zugriff am 9.12.2018)

Quellen

  • Becker & Havriluk (2014). Freestyle arm entry effects on shoulder stress, force generation, and arm synchronization. XIIth International Symposium for Biomechanics and Medicine in Swimming, 89-94 Zur Quelle
  • Grigan, Neshcheret, Khilchevskaya & Plotnikova (2024). The influence of the training process on the development of flexibility of the swimmer's shoulder girdle. Theory and Practice of Physical Culture, 2, 20-22. Zugriff am 30.05.2024 unter http://tpfk.ru/index.php/TPPC/article/view/945 Zur Quelle
  • Guo, Gao & Kong (2026). Effects of NMES combined with resistance training using underwater surface emg sensors on neuromuscular activation of breaststroke technique in breaststroke athletes: analysis of non-negative matrix muscle synergy. Sensors, 26 (2), 671 Zur Quelle
  • Sein, Walton, Linklater, Appleyard, Kirkbride, Kuah & Murrell (2010).Shoulder pain in elite swimmers: primarily due to swimvolume‐induced supraspinatus tendinopathy. Br J Sports Med. 2010 Feb;44(2):105-­‐113. Zur Quelle
  • Tate, Woznicki, Strouse, Wisseman & Thomas (2025). The relationship between preseason upper extremity function, pain, and training and normalized Division III collegiate swimming performance. Journal of Athletic Training, 60 (3), 230-237. Zugriff am 07.06.2025 unter https://doi.org/10.4085/1062-6050-0080.24 DOI Zur Quelle

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Überarbeitet am 4. September 2026Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2026). "Schwimmerschulter". In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/schwimmerschulter/ (abgerufen am 28. Oktober 2026).