Phase (im Einzelzyklus)

06. Mai 2021 P 0

Phase (im Einzelzyklus) (phase), griech. Phasis „Erscheinung“; Zeitabschnitt innerhalb einer Entwicklung; hier Teile einer sportlichen Bewegung. Meinel & Schnabel (2004) strukturierten azyklische Bewegungen in drei Phasen: Vorbereitungs-, Haupt– und Endphase. Bei zyklischen Bewegungen nehmen die erste und letzte Phase den Charakter einer Überleitenden-, Zwischen- bzw. Übergangsphase an. →Phaseneinteilung

Bei der Vermittlung und Beschreibung von Schwimmtechniken ist ebenfalls eine Einteilung in Phasen hilfreich, aber angesichts unterschiedlicher Antriebskonzepte auch problembehaftet. Es wird nachfolgend die Armbewegung an der Position der Hand im Bezug zum Körper ausgerichtet, hierbei werden nur zwei Ebenen der Bewegung beschrieben. Die stets auftretende rückwärts-gerichtete Bewegung wird als gegeben vorausgesetzt.

  • Die Zugphase des Armzuges beginnt in nahezu gestreckter Position des Körpers zu Beginn des Unterwasserzuges und endet, wenn die Hand (beim Brustschwimmen der Ellbogen) auf Höhe der Schulter (Lotrechte) ist.
  • Die Druckphase setzt daran an und geht bis zum Oberschenkel (beim Brustschwimmen ist diese Phase verkürzt, auch als Einwärtsbewegung vor die Brust zu bezeichnen). Die Rückholphase beschreibt den verbleibenden regenerativen Phasenabschnitt bis zum Beginn des nächsten Zyklus. Die Beinbewegung orientiert sich an der Raumbahn des Fußes. Beim Kraul-, Delfin– und Rückenschwimmen wird von einer Aufwärtsbewegung (vom unteren zum oberen Umkehrpunkt) und einer Abwärtsbewegung (vice versa) gesprochen. Die Brustbeinbewegung wird in ein Anfersen, ein Ausstellen der Füße und in eine Streckbewegung (→ Brustschwimmen) unterteilt.

Reischle (2015) unterteilt die Zug-Druckphase der Armbewegung im Schwimmen noch in Auswärts- und/oder Abwärtsanteil, Einwärtsanteil und Rückwärtsanteil, die Rückholphase in Ausheben, Vorschwung und Eintauchen. Die amerikanischen Schwimmer differenzieren ebenfalls nach Abwärtbewegung (downsweeb), Wasserfassen (catch), Einwärtsbewegung (insweep), Aufwärtsbewegung (upsweep) und Rückholphase (release and recovery) (Maglischo 2003).

Im Gegensatz zu Schwimmern auf niedrigem Leistungslevel  zeigten leistungsstärkere Schwimmer einen signifikanten Anstieg der Zeitdauer des Zyklus mit zunehmender Wettkampfstrecke (Soares et al. 1999 bis Küchler 2014). Da bei niedrigen Schwimmgeschwindigkeiten (GA-Training) die Struktur des Einzelzyklus stark von der anzustrebenden Wettkampfstruktur abweicht, sollten bei Teilbewegungen wettkampfnahe Strukturen realisiert werden (Küchler & Witt, 1996). →Zyklusweg

Beispiel: Bei der Armbewegung werden Zug- und Druckphase oft auch als Antriebsphase zusammengefasst. Rushall beschreibt diese bei der Olympiasiegerin von 1996 Michelle Smith wie folgt: „Ihr Zug ist in den letzten Phasen weit unter dem Körper. Dadurch wird eine übermäßige seitliche Kraftentfaltung minimiert. Die gesamte Muskulatur der Schultern, die Muskeln der Innenrotatoren (vorderer Deltamuskel, Pectoralis major, Latissimus dorsi) und die Muskeln der Außenrotatoren (Infraspinatus, Teres minor, Supraspinatus) werden eingesetzt, um einen sehr kräftigen und kraftvollen Unterwasserzug durchzuführen. An beiden Armen werden die Außenrotatoren mehr betont als die Innenrotatoren. Die Schulterrotation bringt die Anatomie des Schwimmers in eine gute Position.
Der Kopf ist weit unten, was eine hohe Hüfte und damit eine gute Stromlinienform fördert. Eine starke Adduktion liefert Kraft für die Antriebsfläche von Hand und Unterarm, um eine „lange“ Antriebsphase in der Unterwasserbewegung zu erzeugen.“ (https://coachsci.sdsu.edu/swim/champion/ms15200.htm – Zugriff 6.05.2021)

Mehr zum Thema: https://s987e9bf513dfaf36.jimcontent.com/download/version/1356285271/module/5756396110/name/Bewegungsphasen%20Funktionsanalyse%20und%20biomechanische%20Prinzipien.pdf – Zugriff 6.05.21


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