Schnelligkeitstraining

24. Juli 2017 Sch 0

Schnelligkeitstraining (speed training), planmäßiger Prozess der Ausbildung der Schnelligkeit, die stark anlagebedingt und damit nur begrenzt trainierbar ist (→Talent, →Muskelfaserstruktur). Im langfristigen Leistungsaufbau sind im Interesse einer vielseitigen Ausbildung (→Vielseitigkeit) die Schnelligkeitsfähigkeiten bereits ab frühem Schulkindalter zu schulen. Dabei wurden besonders in der azyklischen Bewegungsschnelligkeit die höchsten Steigerungsraten nachgewiesen. Kraftabhängige Formen der Schnelligkeit können nach der Pubertät besser entwickelt werden. Im Alterssport wird generell von Schnelligkeitstraining abgeraten, wenn aber Masters bei Wettkämpfen über 50m auch über Schnelligkeit verfügen müssen, so können sie diese nicht aus dem Training ausklammern. Zumindest sollten dann organische Erkrankungen ausgeschlossen sein und das Schnelligkeitstraining immer nach entsprechendem Einschwimmen und mit großen aktiven Pausen (→Kompensation) durchgeführt werden. Günstig ist auch eine Kopplung mit Start-/Wendentraining.

Die in der Trainingspraxis oft einseitige Vorgehensweise, die Schnelligkeit im Schwimmen über wiederholte Serien von  „Sprints“ (25m) „erzwingen“ zu wollen, negiert die Wechselbeziehung der Schnelligkeit zu anderen konditionellen Fähigkeiten, wie Kraft und Ausdauer, aber auch zur Beweglichkeit und vor allem zur Schwimmtechnik (→Geschwindigkeitsbarriere). Nur so kann man Popov verstehen, der erst „gut langsam schwimmen“ übt, um darauf aufbauend schnell zu schwimmen. Allgemein bestimmen drei Schritte das Training der Schnelligkeit:

  1. Erlernen geeigneter Zeitprogramme (Qualität der neuromuskulären Steuer und Regelprozesse) für den Einzelzyklus, Start und Wende,
  2. Integration dieser Zeitprogramme in den komplexen Ablauf einer Strecke (Start – Schwimmen – Wende – Schwimmen – Anschlag),
  3. Verbesserung der Zeitprogramme durch den Einfluss anderer leistungsbestimmender konditioneller Komponenten wie Kraft und Ausdauer (nach Grosser et al. 2004).

Das Schnelligkeitstraining des Schwimmers betrifft vor allem Sprint-, Reaktions– und Aktionsschnelligkeit und setzt maximale Schwimmgeschwindigkeiten voraus, um die schnell kontrahierenden Muskelfasern in das Bewegungsprogramm einzubeziehen und die spezifischen Stoffwechselwege zu aktivieren. (→Kurzstreckentraining). Unmittelbar vor dem Wettkampf durchgeführte willkürliche Muskelkontraktionen (z.B. 10 Züge an der Biobank als „Mobilisierung“) wirken sich positiv auf die Schnellkraftleistung aus (Güllich & Schmidtbleicher, 1995) und sollten deshalb in die Vorwettkampfbelastung von Sprintern aufgenommen werden. Schnelligkeitstraining sollte nicht in ermüdeten Zustand erfolgen. In der amerikanischen Literatur wird zwischen Sprinttraining gegen feste Widerstände (→sprint-resisdet swimming, wie z.B. “angebundenes Schwimmen„) und mit Hilfsmitteln (→sprint-assisted swimming) unterschieden.

 

Mehr zum Thema: Rudolph, K. (2014). Sprinttraining. In Rudolph et al. Wege zum Topschwimmer (Bd. 3), Hofmann-Verlag, S. 174-193


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