Kinderleistungssport

06. Juni 2017 K 0

Kinderleistungssport (high-performance Sports for children), Leistungssport für Kinder im Kindesalter (bis 14 Jahre), im Schwimmen das Grundlagentraining und Aufbautraining betreffend, während Nachwuchstraining noch das Anschlusstraining (Jugendalter) einschließt. Oft auch als Hochleistungssport im Kindesalter bezeichnet, was mit unserer Auffassung von den Trainingsetappen kollidiert, indem wir zwischen Nachwuchstraining und Hochleistungstraining unterscheiden (s. auch Martin et al.1999, S.20).

So wird auch Kindertraining in Deutschland immer noch kontrovers diskutiert*, obwohl inzwischen die Praxis des Kinderleistungssports als auch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, „dass sich die jugendlichen Leistungssportler als produktive Realitätsverarbeiter erweisen und unter Rückgriff auf personale und soziale Ressourcen mehrheitlich in der Lage sind, die Doppelbelastung zu bewältigen“ (Brettschneider in Röthig & Pröhl, 2003, S.254). Die Schwerpunkte liegen im Schwimmen im systematischen langfristigen Aufbau bei Ausschluss einer frühzeitigen Spezialisierung und in der Sicherung des sozialen Umfeldes (→Talentförderung). →deliberate play, →deliberate practice

Exkurs: In der Sportwissenschaft der BRD kam man über Jahre in dieser Frage weniger zum WIE, weil man am WARUM nicht vorbeikam. HOLLMANN machte bereits 1981 die Aufnahme eines Leistungstrainings bei Kindern von Faktoren abhängig, die bis heute nur teilweise verwirklicht sind: Orthopädische und internistische Allgemeinuntersuchung zu Beginn und deren regelmäßige Wiederholung, freiwillig, altersgemäß und noch genügend Freiräume für andere Interessen. Im Training sind  sensitive Phasen zu beachten, zugleich ist Leistungssport bei Kindern Voraussetzungstraining und immer ein pädagogischer Prozess (Martin et al. 1999). Unter psychologischer Sicht ist Kinderleistungssport vertretbar, wenn das Kind sich wohl fühlt, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten in körperlicher und psycho-sozialer Hinsicht verwirklichen kann und mit seiner aktuellen Lebenssituation zurechtkommt (Conzelmann & Gabler, 2001). Im sportlichen Training und Wettkampf können Kinder Erfahrungen sammeln und sich Tugenden aneignen, „die für das soziale Zusammenleben von prinzipieller Bedeutung sind, wie beispielsweise Gegensätze erfahren, akzeptieren und fair austragen können, sich an Regeln halten, den Gegner als Partner verstehen und zugleich mit ihm zu kämpfen, siegen und verlieren zu können. Im Wettkampf und Leistungssport zeigt sich das Bestreben, Mittelmäßigkeit und Dilettantismus zu überwinden, außergewöhnliche Herausforderungen anzunehmen, sogar gezielt aufzusuchen, um am Ende das Ziel, im Wettkampf zu bestehen oder die erhoffte oder angestrebte Leistung zu erfüllen, zu erreichen“ (Gruppe & Krüger, 1997, S. 276/277). Das ist Vorbereitung auf das Leben!  

Für einen erfolgreichen Kinderleistungssport empfiehlt Baumann (2006) aus psychologischer Sicht: Schule und Schulsport nicht zu beschränken und Überfremdung durch Trainer und Eltern zu meiden. Das Kind sollte

– Kind bleiben,

– spielen dürfen, Vielseitigkeit gewährt bekommen,

– Freizeit und „freie Zeit“ haben,

– Zuneigung erhalten,

– sich sicher und geborgen fühlen,

– Ängste und Sorgen aussprechen dürfen,

– dem Trainer Vertrauen entgegenbringen können,

– Leistungen altersgerecht erbringen dürfen,

– lösbare Aufgaben erhalten

– reizvolle Ziele anstreben,

– in der Gruppe sein dürfen,

– selbstbewusst sein dürfen (S.25).

„Der Sport kann nur gedeihen, wenn ihn seine Ehemaligen empfehlen und fördern“ (Kurz, 94, S.35)

Mehr zum Thema: Rudolph et al. (2015). Nachwuchskonzeption 2020 des DSV. Internes Material des DSV (http://www.dsv.de/fileadmin/dsv/documents/schwimmen/Amtliches/150327_Nachwuchskonzeption_Schwimmen_2020.pdf)

 

* Noch im Jahr 2016 verkündet der SWR „Kinder dürfen nicht jeden Tag trainieren“ (Tränen im Training, SWR2 Wissen. Von Mirko Smiljanic

 


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