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Begriff

Hirnrinde

Hirnrinde (cortex), hier: Großhirnrinde (cortex cerebri) als „Zentralcomputer“ des Menschen für die komplexen motorischen Fertigkeiten, die Steuerung unbewusst durchgeführter Bewegungen, die Verarbeitung wichtiger Informationen von den Sinnesorganen für das Feld der Assoziationen (→Denken, →Lernen, →Erinnerung, →Sprache und →Persönlichkeit). →Cortex, →Gehirn, →Prinzip der funktionalen Asymmetrie

Inzwischen wird angenommen, dass Erinnerungen nicht im Hippocampus, sondern in der Hirnrinde formiert werden. Wissenschaftler um Hasan von der Charité Berlin gehen davon aus, „dass der Hippocampus als eine Art Detektor fungiert, der Informationen sammelt und bewertet. Diese leitet er dann an den Kortex weiter, erst hier werden die Informationen miteinander in Verbindung gebracht. Die Nervenzellen im Hippocampus sind wie Klaviertasten, sie produzieren einzelne Töne – aber die Sinfonie, die entsteht im Kortex“ (http://www.deutschlandfunk.de/hirnrinde-gewinnt-bedeutung-das-gedaechtnis-zieht-um.676.de.html?dram:article_id=260004, Zugriff am 29.06.2016).

Menschliche Motorik wird wesentlich über die Schleifen zwischen Kortex und den Basalganglien organisiert. Indem Plastizitätsvorgänge in diesen kortikostriatalen Schleifen und im Striatum überdauernde Reorganisationen kortikaler, motorischer Repräsentationen vermitteln und diese Vorgänge sportmotorische Relevanz besitzen, lässt sich daraus die hohe Bedeutung unerwarteten Bewegungserfolgs für motorische Lernvorgänge ableiten (Beck & Beckmann, 2010)  Der Erfolg des Differenziellen Lernansatzes gründet möglicherweise auf der Aktivierungscharakteristik von Dopaminneuronen und deren modulatorischen Einflüsse auf synaptische Plastizität in den Schleifen zwischen Kortex und den Basalganglien (Beck, 2009). Unter Berücksichtigung der einschlägigen experimentellen Befunde verschiedener Arbeitskreise kann dem Gehirn unter besonderer Berücksichtigung des präfrontalen Kortex eine leistungslimitierende Rolle zugesprochen werden (Hollmann et al. 2006). Besonders eine variable Praxis verbessert die Bewegungsleistung nach einer Konsolidierungsphase (Shea & Morgan, 1979). Dieser Effekt wurde durch kognitiv anspruchsvolle Prozesse im präfrontalen Kortex erklärt, die eine nachfolgende Gedächtniskonsolidierung ermöglichen (Kantak et al. 2010; Thürer et al. 2016)

Mehr zum Thema

Quellen

  • Beck, F. (2009). Differentielles Lehren und Lernen aus einer neurowissenschaftlichen Perspektive. Perspektiven für die Leichtathletik - Nachwuchsarbeit und Differenzielles Lehren und Lernen. Symposium der dvs-Kommission Leichtathletik vom 9.-10. Oktober 2008 in Mainz, Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 194, 82-88 Zur Quelle
  • Shea & Morgan (1979). Contextual interference effects on the acquisition, retention, and transfer of a motor skill. Journal of Experimental Psychology: Human Learning and Memory, 5(2), 179-187. Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • Fähigkeit, motorischeAuch motorische Grundeigenschaft …
  • BewegungAls Daseinsweise der Materie in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen im allgemeinen …
  • WassergefühlAuch Wasserbewegungsgefühl (Staub et al.
  • AssoziationLat. associare „vereinigen, verbinden, verknüpfen, vernetzen“; Vereinigung …
  • Denken„Prozess des inneren Handelns, bei dem Wahrnehmungs- und Vorstellungsinhalte miteinander …
  • LernenAneignung von Wissen und motorischen sowie sprachlichen Fertigkeiten …
  • GedächtnisFähigkeit des Gehirns, Informationen zu speichern und abzurufen.
  • SpracheWichtigstes Informations- und Kommunikationssystem der Menschen (Kommunikation).
  • Asymmetrie, funktionelleGriech. symmetría „Ebenmaß“, a-symmetria „kein Ebenmaß“ …
  • Basalganglien/Basalkerne (basal ganglia), Nervenzellen unterhalb der Hirnrinde …
  • HippocampusGriech. hippokampos „Seepferdchen“ …
  • KortexHirnrinde
Überarbeitet am 25. Mai 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Hirnrinde. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/hirnrinde/ (abgerufen am 6. Oktober 2026).