Identität

30. Mai 2017 I 0

Identität (identity),lat. īdem ‚derselbe‘, ĭdem ‚dasselbe‘; In Psychologie und Soziologie die Summe aller Merkmale, die eine Person von anderen Menschen unterscheidet; bewusst sein, wer und was man ist (Wörterbuch Psychologie, Compact München, 2004). Identität ist Produkt und Ziel der Sozialisation, entfaltet sich also in der Auseinandersetzung des Menschen mit der gesellschaftlichen Umwelt. Folglich hat sie persönliche und eine soziale Komponente (s. Abb.). Die soziale Identität kann als Identität für andere bezeichnet werden, die persönliche Identität als das Bewusstsein des eigenen Selbst (Baumann, 2006). →Identitätssuche, →Identitätskrise, →Ich

Abb.: Komponenten der Identität (nach Baumann, 2006, S.18)

 

Aus der Literatur: Die Identifikation mit einer Gruppe (Trainingsgruppe, Mannschaft) fördert in größerem Umfang die Wahrnehmung des Selbstwertgefühls, des Engagements und der Anstrengung durch den Athleten (Martin et al. 2018). Bei Profifußballern konnte ein hoher Zusammenhang zwischen Depression und sportlicher Identität nachgewiesen werden (Sanders & Stevinson, 2017). Eine Studie bei australischen Elitesportlern ergab, dass das Alter, aber nicht das Geschlecht eine Rolle bei der Bestimmung der sportlichen Identität spielt (Martin & Fogarty, 2014). Ein typisches Beispiel aus dem Schwimmsport: Durch ständige Überwachung und durch Disziplinierung (Gewichtsreduzierung) ging bei einer Schwimmerin eine starke sportliche Identität in ein verletzbares Selbstkonzept über und trug zu Essstörungen bei (Jones et al. 2005).

Wir registrieren gern, wenn junge Schwimmer stolz verkünden „Ich bin Schwimmer!“ „Die Frage Wer bin ich?‘ darf aber nicht nur durch Feststellen der sportlichen Leistungsfähigkeit beantwortet werden. Die Ursprünge von übergroßer Nervosität, von Minderwertigkeitsgefühlen, von hoher Aggressivität oder zu schneller Resignationsind häufig in Störungen der Identitätsentwicklung zu suchen…Das sportliche Handeln muss als Bestandteil des gesamten Lebens eine Stufe der Identitätsentfaltung darstellen.“ (Baumann, 2006, S. 16/17)

Exkurs: Paradoxerweise ist im Zeitalter der Globalisierung eine Wiedergeburt von regionaler Identität und Heimat zu registrieren, von der Identifizierung mit der Nationalmannschaft (Beispiel Fußball EM) bis zu Bemühungen um nationale Eigenständigkeit (Katalanen, Schotten, Brexit) oder Ressentiments gegen fremde Kulturen (AfD, Trump). Im Leistungssport nahm auch in den Szenesportarten, besonders durch die olympische Institutionalisierung wie z.B.im Snowboard, die nationale Identität der Sportler tendenziell zu. Aber letztlich blieb die nationale Identität der Szeneidentität und den in der Szene gelebten Werten (noch) untergeordnet (Vogelmann, 2017).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.