Identitätskrise

30. Mai 2017 I 0

Identitätskrise (identity crisis), psychischer Zustand, der durch den Verlust identitätsstiftender Faktoren (→Beziehungen, Arbeitsplatz, Anerkennung) oder Krankheiten wie Schizophrenie als Verunsicherung erlebt wird und zu Zweifel am „Ich“ führt. →Identität, →Identitätssuche

Wenn sich Identität wie im Spitzensport über Leistung definiert und der zweite immer der erste Loser ist (Ausspruch Sven Hannawald), droht letztlich der leistungsorientierte Glaubenssatz jeden Bereich des Lebens zu dominieren. Es besteht die Gefahr, dass man seine Seele für den Erfolg an Fans, Sportverband und Medien verkauft, die die Identität des erfolgreichen Athleten öffentlich definieren. Das ist beim Auf und ab von Erfolg und Misserfolg psychisch schlecht zu verkraften. „Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum“ (Mario Götze zur EM 2016). Eine besonders kritische Situation ist das (plötzliche) Karriereende. Es fehlt dann nicht nur die Regelmäßigkeit von Training und Wettkampf, sondern ein wesentlicher Teil des Ichs. Es fehlt die damit verbundene Anerkennung. Das kann den Nicht-mehr-Sportler in Selbstzweifel oder sogar in eine Identitätskrise stürzen. Seine Identität neu zu definieren, die Lücke, die vorher durch Leistung im permanenten Existenzkampf geschlossen wurde, durch neu entdeckte Teile der Persönlichkeit zu füllen, scheint tatsächlich von zentraler Bedeutung zu sein, um sich aus dem Teufelskreislauf der Identifikation über Leistung zu befreien. (Trenck, 2012, S. 77)

Identitätskrisen können aber auch den jungen Athleten treffen, wenn z.B. die Diskrepanz zwischen den Leistungsanforderungen (→Kadernormen usw.) und den körperlichen Leistungsvoraussetzungen (z.B. →retardiert) oder Trainingsverlusten durch Krankheit den Sinn des Ganzen in Frage stellt. Das ist besonders kritisch, wenn der/die Pubertierende Probleme hat, den neuen Körper anzunehmen. Krisenzeiten sollten aber nicht nur ängstigen, sondern genutzt werden für den weiteren Aufbau der eigenen →Identitä

Ferner sei darauf verwiesen, dass nicht nur Personen, sondern auch Systeme, Institutionen, Parteien in eine krisenhafte Verunsicherung geraten können. So gefährden Dopingskandale und Korruption die gesellschaftliche Anerkennung des Spitzensports und führen ihn in die Identitätskrise, was sich u.a. in der Ablehnung der Austragung der Olympischen Spiele in München und später Hamburg durch die Bevölkerung zeigt. →Sportethik

„Ich leiste, also bin ich.“  Helen Heinemann, Bournout-Expertin


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