Kippwende

07. Juni 2017 K 0

Kippwende (kip-turn), auch Seitfallwende, weitläufigste Form der Wendenausführung, die vor allem im Brust– und Delfinschwimmen angewandt wird, im Kraulschwimmen bei Anfängern bzw. im Breitensport und zumeist im Training (bei Kraul nicht immer gern gesehen). Im Gegensatz zur Rollwende erfolgt die Richtungsumkehr mit Handkontakt. Die Kippwende sollte vor der Rollwende erlernt werden, da sie einfacher ist und viele Elemente beinhaltet, die einen Transfer auf die Rollwende ermöglichen (Bissig u.a. 2004). Zur Ausführung (Text von Wolfram, OSP Hamburg/Schleswig-Holstein):

Anschwimmen:                                                                              

Schwimmen, entsprechend der Wettkampfbestimmungen der jeweiligen Schwimmart, mit gleichbleibender Geschwindigkeit

Adaptation:

Während der Adaptation wird die Schwimmgeschwindigkeit konstant hochgehalten und mit Hilfe von variierenden Bewegungsfrequenzen gleichzeitig eine optimale Ausgangsposition für den Beginn der Drehung vorbereitet. Beide Arme bzw. ein Arm werden hierfür mit dem letzten Armzug (Rückführphase) vor der Wand gleichzeitig zur Beckenwand geführt. Beim Anschlag an die Wand sind die Arme im Ellenbogen leicht gebeugt, der Beinschlag beim Brustschwimmen bzw. der aufwärtsgerichtete Beinschlag beim Delfinschwimmen ist abgeschlossen und der Körper bildet bezogen auf die Wasseroberfläche nahezu eine Linie. →Adaptationszeit

Drehung:

Die Drehung sollte möglichst schnell erfolgen und die Körperposition für einen kraftvollen Abstoß optimal vorbereiten. Für dieses Ziel sind ein aktives, schnelles Einleiten der Drehung sowie eine enge Körperhaltung während der Drehung sinnvoll. Die Drehung wird mit einem aktiven Unterhocken der Beine (Knie zur Brust, Beugen im Hüft– und Kniegelenken) unter den Körper in Richtung Beckenwand eingeleitet (= Beginn der Drehung um die Körperquerachse). Dieses Unterhocken beginnt mit dem Anschlagen der Hände an die Wand, dabei behält der Kopf und Oberkörper seine Position bei und wird nicht abgesenkt. Der stützende Arm wird nur geringfügig gebeugt. Leicht zeitversetzt wird bei dem beidarmigen Anschlag der Führungsarm (bei der Drehung um die linke Seite der linke Arm) von der Wand gelöst und schnell unter Wasser, eng am Körper in Schwimmrichtung bewegt. Bei dem einarmigen Anschlag befindet sich der Führungsarm von Beginn der Drehung an dieser Stelle. Gleichzeitig mit dem Vorführen des Führungsarmes wird die dazugehörende Schulter nach hinten aufgedreht (= Beginn der Drehung um die Körperlängsachse) und der Oberkörper sowie der Kopf über die Seite in die neue Schwimmrichtung abgesenkt. Der Körper dreht um beide Achsen weiter, so dass die Füße im weiteren Schritt für einen kraftvollen Abstoß in Seitlage an die Wand gesetzt werden. Der zweite Arm wird zunächst gebeugt möglichst schnell über Wasser nach vorn geführt, bevor er dann unter Wasser nach vorn gestreckt wird. →Körperachsen

Abstoß:

Beim Setzen der Füße an die Wand ist die Richtungsumkehr abgeschlossen, der Körper befindet sich in einer widerstandsarmen Haltung, der Kopf ist in Verlängerung des Rumpfes, die Hüfte ist bereits leicht geöffnet, die leicht geöffneten Beine sind nur noch ca. 90 Grad gebeugt, die Knie zeigen wie die Füße zur Seite (parallel zur Wasseroberfläche). Die Füße befinden sich hinter dem Körperschwerpunkt. Der Wandkontakt erfolgt mit dem Vorderfuß. Jetzt wird die Streckung der Arme schnell zum Ende geführt, so dass die Hände übereinanderliegen, der Kopf sich zwischen den Armen befindet und die Arme sowie der Oberkörper gestreckt sind. Gleichzeitig beginnt die explosive Streckung in den Hüft-, Knie- und Fußgelenken. Der Abstoß sollte kraftvoll und dynamisch erfolgen, um eine hohe Abstoßgeschwindigkeit zu erzielen. Hierfür ist ein maximaler Krafteinsatz bei möglichst kleinem Wasserwiderstand und einer Position von Füßen, Hüfte und Schulter annähernd auf einer Linie notwendig.

Unterwasserphase:

Direkt nach dem Abstoß findet eine viertel Drehung um die Körperlängsachse von der Seit- in die Bauchlage statt. Zusätzlich beginnt im Schmetterlingsschwimmen im oberen Rumpfbereich eine wellenförmige Bewegung für eine effektive und kraftvolle Delfinbewegung. Im Brustschwimmen wird im Unterwasserbereich nach einer Gleitphase mit völliger Körperstreckung ein Tauchzug mit einem Delfinkick (→Delfinbewegung) entweder zu Beginn des Armzuges oder während der Druckphase ausgeführt. Ziel der Bewegung ist es, die hohe Abstoßgeschwindigkeit in die Schwimmbewegung zu übertragen. Eine widerstandsarme Körperhaltung (gestreckte Arme, Kopf zwischen den Armen, Ganzkörperstreckung) sowie ein zielgerichtetes Steuern der Hände, Arme und Kopf in Richtung Wasseroberfläche sind hierfür Voraussetzung.

Übergang:

Der Übergang in die zyklische Schwimmbewegung erfolgt fließend und unter Beibehaltung der Geschwindigkeit. Der optimale Zeitpunkt des Überganges ist abhängig von der Effektivität der Antriebsbewegung im Übergang. Der Kopf durchbricht im Delfinschwimmen die Wasseroberfläche am Ende des ersten Unterwasserarmzuges, beim Brustschwimmen während des Unterwasserzuges, konkret bevor die Arme einwärts bewegt werden (s. WB).

Video: https://www.youtube.com/watch?v=iGTteXex-a8 – Zugriff 20.11.2019

Mehr zum Thema: Küchler (2015). Physikalische Grundlagen für die Wende im Schwimmen. DSTV-Reihe, Bd. 37, S.47-63

 


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