Rollwende

07. Juli 2017 R 0

Rollwende (flip turn), schnellste Wendentechnik, die voraussetzt, dass laut Wettkampfbestimmungen im Freistil– und Rückenschwimmen die Wand nur mit einem beliebigen Körperteil berührt werden kann (auch „tiefe Wende“, „Saltowende“). →Wende

Die Rollwende wird wie folgt ausgeführt (Text und Aufnahmen von Petra Wolfram, OSP Hamburg/Schleswig-Holstein):

Anschwimmen entsprechend der Wettkampfbestimmungen der jeweiligen Schwimmart mit gleichbleibender Geschwindigkeit
Während der Adaptation (Phase des Anschwimmens an die Wand) wird die Schwimmgeschwindigkeit konstant hochgehalten und mit Hilfe von variierenden Bewegungsfrequenzen gleichzeitig eine optimale Ausgangsposition für den Beginn der Drehung (etwa ein Meter vor der Wand) vorbereitet. Beim Rückenschwimmen wird die optimale Ausgangsposition durch eine halbe Drehung um die Körperlängsachse (→Körperachsen) in Bauchlage während des letzten Unterwasserarmzuges bzw. der letzten Rückführphase des Armes vor der Wand erreicht. Danach muss unverzüglich die Drehung eingeleitet werden. Während der Adaptation sollte der individuell optimale Abstand zur Beckenwand eingenommen werden, da dieser eine wichtige Rolle für einen effektiven Abstoß (Kniewinkel ca. 90 Grad beim Setzen der Füße an die Beckenwand) spielt. Männliche Sprinter erreichen Drehzeiten < 0,7 s.

 

Drehung: Die Rollwende wird mit einer aktiven Bewegung des Kinns in Richtung Brust eingeleitet*. Zusätzlich kann ein aktiver abwärtsgerichteter Kick der Beine diese Einleitung der Drehung unterstützen (Beginn der Drehung um die Körperquerachse). Im nächsten Schritt werden die Knie durch ein aktives Beugen in Hüft– und Kniegelenken zur Brust angezogen, um schnell eine enge Körperhaltung einzunehmen. Diese Bewegung leitet eine Rolle vorwärts ein. Je nach Variante und Schwimmart wird die Rolle vorwärts weitergeführt, um die Füße in Rückenlage an die Wand zu setzen (Freistil-, Rückenschwimmen), oder die Rolle wird mit einer Drehung um die Körperlängsachse gekoppelt. Dann befinden sich die Füße in Seitlage an der Wand (→Freistilschwimmen). Die Arme werden während der Bewegung in die neue Schwimmrichtung geführt und dort horizontal fixiert. Zum Ende der Drehung, d. h. wenn sich der Oberkörper in der neuen Schwimmrichtung befindet, wird die enge Hocke in den Knien und der Hüfte leicht geöffnet, um eine optimale Abstoßposition vorzubereiten.
Abstoß: Die Füße sind in eine kompakte Körperposition zu setzen. Es ist eine hohe Anfangskraft zu entwickeln im Knie- und Fußgelenk beginnend und folgend öffnen des Hüftwinkels, wobei der Rumpf in Abstoßrichtung positioniert wird. Darauf wird schnellkräftig im Kniegelenk gestreckt. In der Endphase sind Fuß-, Kniegelenk und Rumpf gestreckt um den Wasserwiderstand zu minimieren (Küchler, 2015, S.58).
Beim Rücken- und Freistilschwimmen wird die Unterwasserphase ebenfalls durch effektive und kraftvolle Delfinbewegungen gestaltet. Ansonsten gilt die Bewegungsbeschreibung der Kippwende. Im Freistilschwimmen findetje nach Technikvariante unterschiedlich entweder eine viertel- (= Abstoß in Seitlage) oder eine halbe (=Abstoß in Rückenlage) Drehung um die Längsachse direkt nach dem Abstoß statt.

Übergang: Es gilt die Bewegungsbeschreibung der Kippwende. Das Auftauchen beim Freistil- und Rückenschwimmen erfolgt wie beim Delfinschwimmen.
Zur zweckmäßigen Tauchtiefe gibt es unterschiedliche Angaben. Keine Welle an der Wasseroberfläche ist ein Hinweis auf eine ausreichende Tauchtiefe (Küchler, 2015, S. 60). Die Gleitphase wird beendet, wenn die Geschwindigkeit auf die angestrebte Schwimmgeschwindigkeit abgebremst ist. Der Abfall der Geschwindigkeit wird durch Delfinbewegungen verzögert, die immer mehr zu einer wettkampfentscheidenden Größe werden (ebenda).

 

Typische Fehler im Bewegungsablauf der Rollwende (nach Küchler, 2015, S. 73):

  • der Abstand zur Beckenwand ist zu groß, wodurch die Füße mit großem Kniewinkel an die Wand gesetzt werden und so die Abstoßgeschwindigkeit verringert wird.
  • bei der Drehung wird zu spät im Kniegelenk gebeugt, dadurch wird die Drehzeit verlängert
  • die Füße werden beim Abstoß zu hoch an die Wand gesetzt, dadurch ist der Abstoß abwärts gerichtet, was zur Verlängerung des Weges und zu Geschwindigkeitsverlust führt.
  • Zu langes Gleiten beim Abstoß, dadurch fehlende Antriebsimpulse für Übergang.

*japanische Biomechaniker ermittelten, dass eine flachere Neigung und Abflachung der elliptischen Bahn des Kopfes während der Rotationsphase für eine schnellere Wende vorteilhaft war (Nomura et al. 2014).

 

Mehr zum Thema:    – Küchler (2014). Rollwende, In: Rudolph et al. „Wege zum Topschwimmer“, Hofmann, S.153-155

– Küchler (2015). Die Wende im Schwimmen. DSTV-Reihe Bd. 37, S. 64-78

 

Video: https://www.youtube.com/watch?v=sXdvQtR3F7s und vorbereitende Übungen:  https://www.youtube.com/watch?v=j03T9s4sgXE&list=PLscnKLbc_rQEPC6kGBZS520qDg53C8w7V&index=2

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.