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Begriff

Leistungsdiagnostik

Leistungsdiagnostik (performance diagnostics), „Erfassung und Beurteilung der sportlichen Leistungen und der aktuellen Leistungsfähigkeit auf der Grundlage von Kennwerten, Kennlinien und Merkmalen des Leistungsvollzuges sowie von Kennwerten der wesentlichsten personalen Leistungsvoraussetzungen“ (Schnabel et al. 2003). Dank fortschrittlicher Technologie und einfacher Implementierung werden heute mehr Informationen über Sportler erfasst als je zuvor. In Sportarten wie Fußball, Rugby und Laufen wurden Trainingsbelastungsdaten von tragbaren Sensoren veröffentlicht. Wie die Trainingsleistung eines Sportlers bewertet wird, hängt von dem verwendeten Sensor, den Messwerten, die der Sensor aufzeichnen kann, und dem Trainingsrahmen ab (Golden & Hertel, 2022). Die gleichzeitige Verwendung mehrerer gültiger und praktischer Instrumente anstelle eines einzigen Instruments (z.B. nur Puls oder Laktat) verbunden mit dem Wissen von Experten (Trainer, Sportmediziner, Biomechaniker…) sind Voraussetzung aussagekräftiger Leistungsdiagnostik (Boullosa et al. 2023). 

Die komplexe Leistungsstruktur im Schwimmen erfordert auch eine komplexe Leistungsdiagnostik.  Sie ist zusammen mit der Trainingsdokumentation und der Wettkampfanalyse eine Grundlage der Trainingssteuerung, wobei besonders die Betrachtung der Ergebnisse im Längsschnitt für die Ableitung individueller Trainingsempfehlungen bedeutsam ist. →Messplatz, →Punkttabelle, →Landesvielseitigkeitstest, →sportmedizinische Grunduntersuchung

Schwimmlexikon-Leistungsdiagnostik
Wirkungskette der Entwicklung sportlicher Leistungen (nach Krug in Röthig et al. 2003, S. 338)

Im Schwimmen eignet sich besonders der Strömungskanal, um die Beziehung zwischen Belastungsintensität (Schwimmgeschwindigkeit), Belastungsdauer und physiologischen (Sauerstoffaufnahme, Puls, Laktat) wie auch biomechanischen Parametern (Zugfrequenz, Zykluslänge usw.) zu ermitteln (Kolomogorov et al. 2019; Lienhart et al. 2015; Rudolph, 2014; Ungerechts, 1992).

Exkurs: Culhane (2019) schlägt ein Progressionsmodell für einen Athleten mit folgenden Schritten vor:

  1. medizinischen und physiotherapeutische Erstuntersuchungen in der Vorbereitungsphase,
  2. Phase der Bewegungskompetenz, in der der Athlet bewegungsbasierte Tests mit quantifizierbaren Ergebnissen durchführt, die als grundlegende Bewegungsmarker dienen können, von denen aus Korrekturübungen oder -strategien verschrieben werden können, und die zur Messung des Fortschritts neu bewertet werden können
  3. Phase der Leistungsfähigkeit, die sich mehr mit der evidenzbasierten quantitativen Bewertung der Leistung eines Athleten befasst und deren Hauptzweck darin besteht, ein Basismaß festzulegen, zu beurteilen, wo die Athleten derzeit im Verhältnis zu ihren eigenen früheren Ergebnissen stehen, und den Athleten oft anhand normativer (d.h. Gruppen-/Mannschafts-)Standards zu bewerten
  4. Exit-Phase (nicht obligatorisch), um Verletzungen, die während der Trainingszeit aufgetreten sind, zu bewerten und alle Körperregionen auf eventuelle Restprobleme zu untersuchen.

Exkurs: Materielle und personelle Reserven begrenzen oft die Möglichkeiten der Diagnoseverfahren, besonders im „Feld“. Wenn zum Beispiel integrative Immunmarker ein vielversprechendes Instrument zur Überwachung von Training und Gesundheit bei Spitzensportlern sind (Zacher et al. 2023), so bleibt ihre Bestimmung dem „Labor“ (der Wissenschaft) vorbehalten.  Es wird immer deutlicher, dass Analysten zwar Fach- und Technikwissen benötigen, aber auch bestimmte persönliche Eigenschaften und professionelles Verhalten mitbringen müssen, um die kontextbezogene Intelligenz zu entwickeln, die für die Erbringung einer wertvollen Dienstleistung erforderlich ist. Deshalb fordert Martin (2024) den Beruf des Leistungsdiagnostikers neu zu definieren mit einer klaren Rollendefinition, berufsständischen Regelungen und einem Entwicklungsweg für angewandte Fachleute. 

„Wenn ich nicht messen kann, kann ich nicht führen“ Bob Bowman, amerikanischer Schwimmtrainer

Mehr zum Thema

  • LiteraturRudolph (2014). Leistungsdiagnostik. In: Wege zum Topschwimmer, Bd. 3, Hofmann-Verlag, S.74-132, S. 74-132
  • LiteraturHahn, Markatsch & Strass (2010). Kraulschwimmen. Meyer & Meyer, Aachen Zur Quelle
  • LiteraturSemechin & Schinkitz (2010). Höher _ schneller - weiter: Leistungsdiagnostik im paralympischen Schwimmsport. swim & more 3/10, 33 Zur Quelle
  • LiteraturLeopold, W. (2000). Zum Anliegen der Leistungsdiagnostik im DSV. DSTV-Reihe Bd.17, 7-13 Zur Quelle
  • LiteraturBöttcher, J. (2011). Untersuchungsverfahren der Leistungsdiagnostik an den Olympiastützpunkten. Bild-Messwert-Kopplung - die Verbindung kinematischer und dynamischer Parameter. Leistungssport (41)3,60-62 Zur Quelle
  • WebButterworth, A. (2023). Professional practice in sport performance analysis (Berufspraxis der Sportleistungsanalyse). Abingdon: Routledge eur03.safelinks.protection.outlook.com · Zugriff 30.11.2023

Quellen

  • Boullosa, Claudino, Fernandez-Fernandez, Bok, Loturco, Stults-Kolehmainen, García-López & Foster (2023). The fine-tuning approach for training monitoring. International Journal of Sports Physiology and Performance, 18 (12), 1374-1379. Zugriff am 29.01.2024 unter https://doi.org/10.1123/ijspp.2023-0154 DOI Zur Quelle
  • Culhane, P. M. (2019). Proposed model to assess an athlete`s physical competency and capacity. Journal of Australian Strength and Conditioning (27)7, 38-61 Zur Quelle
  • Golden & Hertel (2022). Clinician impact on athlete recovery and readiness in a 24-Hour training cycle. International Journal of Athletic Therapy & Training, 28 (3), 125-130. Zugriff am 08.07.2023 unter https://doi.org/10.1123/ijatt.2022-0071 DOI Zur Quelle
  • Hahn, Markatsch & Strass (2010). Kraulschwimmen. Meyer & Meyer, Aachen Zur Quelle
  • Martin, D. (2024). Professional practice of applied performance analysis. In Davison et al. 29th Annual Congress of the European College of Sport Science, 2-5 July 2024, Book of Abstracts. Glasgow: European College of Sport Science. Zur Quelle
  • Schnabel, Harre, Krug & Borde (2003). Trainingswissenschaft. Berlin: Sportverlag Zur Quelle
Überarbeitet am 11. September 2025Autor: Klaus Rudolph