Leistungsdiagnostik

03. März 2020 L 0

Leistungsdiagnostik (performance diagnostics), „Erfassung und Beurteilung der sportlichen Leistungen und der aktuellen Leistungsfähigkeit auf der Grundlage von Kennwerten, Kennlinien und Merkmalen des Leistungsvollzuges sowie von Kennwerten der wesentlichsten personalen Leistungsvoraussetzungen(Schnabel et al. 2003). Die komplexe Leistungsstruktur im Schwimmen erfordert auch eine komplexe Leistungsdiagnostik.  Sie ist zusammen mit der Trainingsdokumentation und der Wettkampfanalyse eine Grundlage der Trainingssteuerung, wobei besonders die Betrachtung der Ergebnisse im Längsschnitt für die Ableitung individueller Trainingsempfehlungen bedeutsam ist. →Messplatz, →Punkttabelle, →Landesvielseitigkeitstest

Wirkungskette der Entwicklung sportlicher Leistungen (nach Krug in Röthig et al. 2003, S. 338)

Im Schwimmen eignet sich besonders der Strömungskanal, um die Beziehung zwischen Belastungsintensität (Schwimmgeschwindigkeit), Belastungsdauer und physiologischen (Sauerstoffaufnahme, Puls, Laktat) wie auch biomechanischen Parametern (Zugfrequenz, Zykluslänge usw.) zu ermitteln (Kolomogorov et al. 2019; Lienhart et al. 2015; Rudolph, 2014; Ungerechts, 1992).

Exkurs: Culhane (2019) schlägt ein Progressionsmodell für einen Athleten mit folgenden Schritten vor:

  1. medizinischen und physiotherapeutische Erstuntersuchungen in der Vorbereitungsphase,
  2. Phase der Bewegungskompetenz, in der der Athlet bewegungsbasierte Tests mit quantifizierbaren Ergebnissen durchführt, die als grundlegende Bewegungsmarker dienen können, von denen aus Korrekturübungen oder -strategien verschrieben werden können, und die zur Messung des Fortschritts neu bewertet werden können
  3. Phase der Leistungsfähigkeit, die sich mehr mit der evidenzbasierten quantitativen Bewertung der Leistung eines Athleten befasst und deren Hauptzweck darin besteht, ein Basismaß festzulegen, zu beurteilen, wo die Athleten derzeit im Verhältnis zu ihren eigenen früheren Ergebnissen stehen, und den Athleten oft anhand normativer (d.h. Gruppen-/Mannschafts-)Standards zu bewerten
  4. Exit-Phase (nicht obligatorisch), um Verletzungen, die während der Trainingszeit aufgetreten sind, zu bewerten und alle Körperregionen auf eventuelle Restprobleme zu untersuchen.

Mehr zum Thema:

  • Rudolph (2014). Leistungsdiagnostik. In: Wege zum Topschwimmer, Bd. 3, Hofmann-Verlag, S.74-132
  • Hahn et al. (2010). Biomechanische Leistungsdiagnostik im Schwimmen. Erfahrungen im Leistungssport und Ableitungen für die Ausbildung von Studierenden. Beiträge zum dvs-Symposium Schwimmen 10.-12.9.2009 in Leipzig.  Köln Sportverlag Strauß 2010
  • Semechin & Schinkitz (2010). Höher _ schneller – weiter: Leistungsdiagnostik im paralympischen Schwimmsport. swim & more 3/10, 33
  • Leopold, W. (2000). Zum Anliegen der Leistungsdiagnostik im DSV. DSTV-Reihe Bd.17, 7-13
  • Böttcher, J. (2011). Untersuchungsverfahren der Leistungsdiagnostik an den Olympiastützpunkten. Bild-Messwert-Kopplung – die Verbindung kinematischer und dynamischer Parameter. Leistungssport (41)3,60-62

„Wenn ich nicht messen kann, kann ich nicht führen“ Bob Bowmann, amerikanischer Schwimmtrainer


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