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Begriff

Gleichgewichtsfähigkeit

Gleichgewichtsfähigkeit (balancing capacity), Komponente der koordinativen Fähigkeiten (Hirtz, 1997), die den gesamten Körper im Gleichgewicht hält. Das betrifft einmal das Gleichgewicht in relativer Ruhehaltung (statisches Gleichgewicht), zum anderen die Wiederherstellung des Gleichgewichts nach Lageveränderungen (dynamisches Gleichgewicht). Sie wird über das vestibulare System im Innenohr, dem Kleinhirn in Verbindung mit der Sehbahn und weiteren Reflexen gesteuert. Diese Sinnesorgane sind zwar Voraussetzung für die Gleichgewichtsfähigkeit, ihr Zusammenspiel erfolgt aber über das Erlernen der Bewegungen; Gleichgewichtsfähigkeit ist also nicht angeboren, sondern fertigkeitsspezifisch.

Das statische Gleichgewicht lässt ab dem dritten Lebensjahrzehnt bei Männern, ab dem zweiten bei Frauen nach. Die Ursachen nachlassender Gleichgewichtsfähigkeit liegen darin, dass der Körper insgesamt nicht mehr so „gehorcht“, besonders durch die nachlassende Muskelkraft und Ansteuerung der Muskulatur. Bei Frauen im Alter von 72 – 92 Jahren sei keine Verbesserung des statischen Gleichgewichts durch Training wegen irreparablem Verlust im Nervensystem mehr möglich (CRILLY u.a. 1989). Dem entgegen wurde in zahlreichen Studien eine Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit durch Training auch im Alter nachgewiesen. Sie lässt sich durch Stehen und Bewegen auf unterschiedlichen Unterstützungsflächen, Halten, Balancieren und Jonglieren von Geräten usw. trainieren (Schaller, 2003). Eine Reihe von Studien haben ergeben, dass eine schlechte Gleichgewichtsfähigkeit signifikant mit einem erhöhten Risiko von Sprunggelenkverletzungen bei verschiedenen Aktivitäten zusammenhängt (Hrysomallis, 2016).

Die Gleichgewichtsfähigkeit spielt im Schwimmen eine große Rolle bei der Stabilisierung der Wasserlage (dynamische Gleichgewichtsfähigkeit) und der Einhaltung der optimalen Startposition (statische Gleichgewichtsfähigkeit). Die dynamische Gleichgewichtsfähigkeit verschlechtert sich bei Einstellung des Trainings, denn dann erfolgt keine Automatisation mehr, aber auch beim Ausschalten des Sehens (zum Beispiel bei Dunkelheit). Trainingspraxis, Geschlecht, Handdominanz und Hautfaltendicke wurden als wichtige Faktoren ermittelt, die die dynamische Gleichgewichtsfunktion der oberen Extremitäten bei jugendlichen Schwimmern beeinflussen (Lu et al. 2025). Zur Erhaltung der Gleichgewichtsfähigkeit ist tägliches Training nötig. Zumal Schwimmer gegenüber anderen Sportarten durch geringere Gleichgewichtsfähigkeit auffielen, was ein starker Indikator für zukünftige Verstauchungen der Knöchel sein könnte. Daher wird vorgeschlagen. durch ein regelmäßiges Screening-Programm mit den Balance-Tests von BESS (https://www.youtube.com/watch?v=9pYiWIpVOVQ– Zugriff 24.10.25) und SEBT (https://www.youtube.com/watch?v=GBT9V78d6E0 – Zugriff 24.10.25) das Gleichgewicht der Athleten zu bewerten (Shahheidari et al. 2012).

Problematisch kann beim Tauchen der Druckdifferenzschwindel durch unterschiedliche Druckverhältnisse im Mittelohr sein.

Mehr zum Thema

  • LiteraturLaughlin & Mills (2000).Teaching concepts of balance to age group swimmers. American Swimming Magazine, Heft 5, 7-11 Zur Quelle

Quellen

  • Hirtz, P. (1997). Koordinative Fähigkeiten. In Schabel et al. (Hrsg.), Trainingswissenschaft. Sportverlag-Berlin, S. 14-122 Zur Quelle
  • Hrysomallis, C. (2016). Relationship between balance ability, training and sports injury risk. Sports Medicine (37)6, 547-556 Zur Quelle
  • Lu, Lv, Yang, Du, Wang & Zhang (2025). Effect of gender and training years on the upper extremity dynamic balance function in adolescent swimmers. BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation, 17, 171. Zugriff am 01.09.2025 unter https://doi.org/10.1186/s13102-025-01230-2 DOI Zur Quelle
  • Schaller, H.J. (2003). Bewegungskoordination im Alter. In Denk/Pache/Schaller (Hrsg.): Handbuch Alterssport. Schorndorf: Hofmann, 199-241 Zur Quelle
  • Shahheidari, Norasteh & Mohebbi (2012). Comparison of balance control in female athletes in different sports. Medicina dello Sport (65)1, 37-47 Zur Quelle

Verwandte Begriffe

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  • VestibularapparatGleichgewichtsorgan im inneren Ohr.
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  • WasserlageLage des Schwimmers im Verhältnis zur Horizontale der Wasseroberfläche.
  • Auftrieb, statischer= gleich dem Gewicht der vom Körper verdrängten Flüssigkeitsmenge …
  • Bewegungsautomatisierung„Entwicklung und Stabilisierung von relativ stereotypen …
  • BewegungsdrangMotorische Unruhe, unwillkürliche …
  • Core BoardCore-Board (engl). in 2002 von Reebock entwickeltes ellipsenförmiges Brett …
Überarbeitet am 24. Oktober 2025Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2025). Gleichgewichtsfähigkeit. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/gleichgewichtsfaehigkeit/ (abgerufen am 19. Oktober 2026).