evidenzbasiert

15. April 2017 E 0

evidenzbasiert (evidence-based), lat. evidens „ersichtlich, augenscheinlich“; auf der Grundlage empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgend. Evidenzbasierte Medizin sieht die Wirksamkeit einer Therapie, eines Medikamentes nur als nachgewiesen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, z.B. eindeutige Fragestellung, Vergleichbarkeit der Gruppen, statistische Signifikanz der Ergebnisse, Verallgemeinerungsgrad usw. Mit diesen strengen Regeln möchte man therapeutische Irrtümer ausschließen. Sie stellt sich als eigenständige Wissenschaft die Aufgabe, veröffentlichte medizinische Daten zu bewerten und damit auch zu verbessern. Evidenzbasierte Medizin führt also selbst keine klinischen Studien durch, sondern nutzt systematisch deren Ergebnisse. Dazu wurden unterschiedliche Klassifikationssysteme erarbeitet.

Exkurs: Was heißt das für unsere Trainingspraxis? Wir leben im Leistungssport nach wie vor im Banne der „Meistermacher“, wohl wissend, dass Belastbarkeit vom Wesen her individuell ist. Zugleich kann man sich nicht immer darauf verlassen, was man einmal gelernt hat. Gemessen am internationalen Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten (Cochrane Collaboration) sind im Leistungssport solch umfangreiche Übersichtsarbeiten (Reviews) selten. Allein die Literaturrecherchen reichen dazu nicht aus, da der zumeist ehrenamtliche Trainer in Deutschland zu tun hat, um Training und Wettkampf mit Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Wenn der emeritierte Professor Brent Rushall der versammelten US-Trainerschaft vorwirft, dass das herkömmliche Training für Schwimmer veraltet sei und der Zugang zu evidenzbasierter Wissenschaft fehle (Rushall, 2009), dann mag er ansatzweise recht haben. Aber auch hier macht der Ton die Musik und dazu gehört die Akzeptanz beider Seiten (→Theorie und Praxis), zumal die amerikanischen Trainer über Jahrzehnte die Weltspitze bestimmen. Zudem ist evidenzbasierte Forschung ein Widerspruch in sich, da nicht geforscht werden muss, wenn das Ergebnis unumstößlich vorliegt. Übrigens: Frage nicht nur nach dem Forschungsdesign, sondern auch wer die Forschung bezahlt (z.B. Pharmaindustrie). →Feldforschung

 

„Evidenz wird zur erfolgreichen Selbstinszenierung als Spitze der Wissenschaft. Diese Forschung zehrt letztlich von den Vorurteilen und der Zustimmung des Publikums: Die Wissenschaft sollte deswegen besser nur herausfinden, was dieses über die Sache denken mag und bereits zu wissen glaubt“ (Jornitz, 2009, S.75).

Mehr zum Thema: http://flexikon.doccheck.com/de/Evidenzbasierte_Medizin (Zugriff 27.03.2019)


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