Resilienz

05. Juli 2017 R 0

Resilienz (resilience), lat. resilire „zurückspringen ‚abprallen“; in Natur- wie Gesellschaftswissenschaften umfassend gebrauchter Begriff. Für uns naheliegend als psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Lebenskrisen (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung usw.). Kinder, die in einem problembeladenen Umfeld aufwachsen, verfügen später oft über Kompetenzen (Problemlösungsfähigkeit, soziale Kompetenzen, Selbstregulationsvermögen) und Willen sich „durchzubeißen“. Resilienz wird begünstigt durch positive Beziehungen zu Bezugspersonen, biologische Vitalität und positivem Umgang mit solchen Krisen. Für den Pädagogen heißt dies, an den Ressourcen des Kindes anzusetzen und nicht an den Defiziten (Vollmer, 2005). →Transition, →Stressbewältigung

Die Resilienzforschung setzt sich mit der Frage auseinander, was Menschen in existenziellen Krisensituationen Halt gibt.

Naturgemäß spielt dieses seelische Immunsystem auch für Trainer wie Sportler eine große Rolle, besonders bei der Bewältigung von Misserfolgen. Dazu der Psychologe Szigeti: Das hört sich jetzt vielleicht befremdlich an, aber ich gratuliere jungen Sportlern, wenn sie zum ersten Mal eine richtig schwere Niederlage erlitten haben. Das Wort Resilienz bringt das schön rüber: Wer keine Widerstandskraft besitzt, hat es schwer, sich im Abstiegskampf durchzusetzen.“ (DIE ZEIT Nr. 15/2015, 9. April 2015). Für viele Schwimmer ist der Wettkampf „gelaufen“, wenn sie das erste Rennen „verkackt“ haben. Bei entsprechender Resilienz geht es mit einem „Nun gerade“ an den nächsten Start. So ausgestattete Sportler hadern auch nicht mit jeglichen Widrigkeiten im Umfeld von Training und Wettkampf (vom Bett im Hotel bis zur Schwimmleine). Stehauf-Qualitäten fußen u.a. auf folgenden sieben Faktoren: Akzeptanz, Optimismus, Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung und Zukunftsorientierung (Heller, 2015). Und nicht vergessen: Resilienz ist erlernbar!

 Exkurs: „Die US-amerikanischen Psychologinnen Emmy Werner und Ruth Smith untersuchten bereits in den siebziger und achtziger Jahren das Resilienz-Phänomen: Sie begleiteten den Geburtsjahrgang von 1955 der hawaiischen Insel Kauai vier Jahrzehnte lang, 698 Kinder, darunter manche, die bei Geburt mehreren Belastungen ausgesetzt waren: chronische Armut, geringe Bildung, psychische Krankheit eines Elternteils…Werner und Smith stießen bei den resilienten Kindern auf eine frappierende Gemeinsamkeit: Alle hatten eine stabile Beziehung zu einer Bezugsperson, einem Mentor, Lehrer oder Freund. Es musste nicht die Mutter sein, aber ein Mensch, der ihre Entwicklung mit Anteilnahme begleitete.“ (Stefan Maeck in SPIEGEL-online vom 3.02.2013). Aber auch: „Der Begriff Resilienz stand einmal für etwas Elementares. Inzwischen dreht es sich viel zu oft um die Frage, wie man sich in den Verrücktheiten des 21. Jahrhunderts als Hamster im Hamsterrad noch besser bewähren kann“ (David Althaus, Psychologe, im SPIEGEL 11/2019,51).

„Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.“ Albert Camus (1913-1960) frz. Schriftsteller

Mehr zum Thema: http://www.uni-regensburg.de/psychologie-paedagogik-sport/psychologie-fischer/medien/downloads/fleckenstein/einfuehrung.pdf


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