Begriff: Sportphilosophie

Sportphilosophie

Sportphilosophie (philosophy of sports), Philosophie bezogen auf den Sport; Integrationswissenschaft, die auf der allgemeinen Philosophie und deren Teildisziplinen (Ethik, Ästhetik, Anthropologie usw.) fußt und zugleich die Erkenntnisse anderer sportwissenschaftlicher Disziplinen berücksichtigt. „Sie dient als Brücke zu sportpolitischen Debatten und hilft dabei, die Essenz von Wettbewerb, Spiel und Leistungssteigerung zu verstehen“ (dvs, Sektion Sportphilosophie). Sportwissenschaft, →Sportethik

Sportphilosophie ist zu unterscheiden von dem häufig gebrauchten Begriff der „Trainerphilosophie“. Darunter ist die Strategie des Trainers zu verstehen, seine eigenen Werte, Haltungen, Motive und Ziele zu formulieren und darüber zu reflektieren, wobei die Verknüpfung der Ziele und Maßnahmen („Ganzheitlichkeit“) wesentlich sind. →Trainingswissenschaft, →Meisterlehren, →Trainerkompetenz

Beispiele für philosophische Fragestellungen im Sport:

– Vicar & Moudr (2020) befassen sich mit Kontroversen der Talentförderung aus einer liberalen Perspektive, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt (in: Sport, Ethics and Philosophy).

– Negro et al. (2018) fordern eine philosophische Betrachtung des Dopings und dabei die Widersprüche und Paradoxien im modernen Umgang mit Doping im Sport zu berücksichtigen (in: European Journal of Applied Physiology, 119,4, 729-736).

– Schürmann (2019) nimmt die Debatte um den eSport zum Anlass und zur Materialbasis, um daran die allgemeinere Frage zu diskutieren, wie man zu einem Grundverständnis von Sport kommt und wie man ggf. verschiedene Grundverständnisse miteinander in die Diskussion bringt (in: German Journal of Exercise and Sport Research, 49,4, 472-481).

Exkurs: „Alle reden über Sport. Jeder etwas anderes. Diese Unklarheit behindert einen sinngerechten praktischen, pädagogischen, administrativen, ökonomischen und politischen Umgang mit ihm. Eine Philosophie des Sports hat hier Aufräum-, das heißt Aufklärungsarbeit zu leisten. Das bedeutet zuerst, einen gehaltvollen Begriff von Sport zu entwerfen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Sport im engen Sinne als einem Kulturgut und Sport im weiten Sinne als einem Sozialgut. Dieser doppelte Eigensinn der Sportidee und die Gewährleistung ihrer Würde und Autonomie müssen im Zentrum jeden Handelns in diesem Feld stehen. Sie bestimmen und begrenzen seinen Eigenwert und sein Eigenrecht. Damit schreibt er allen im Sport Handelnden vor, was hier praktisch, pädagogisch, ökonomisch, rechtlich und politisch zulässig ist und was nicht.“ (Güldenpfennig, S. 2023: Sportphilosopie, Reihe NomosBibliothek).

Schlagwörter für diesen Suchbegriff:

  • Überarbeitet am: 20. März 2026
  • Autor: Klaus Rudolph