Talentprognose

05. August 2017 T 0

Talentprognose (talent predication), Vorhersage des individuell erreichbaren höchstmöglichen Erfolges von talentierten Kindern in einer ihrer Begabung entsprechenden wissenschaftlichen, handwerklichen, musischen oder sportlichen Disziplin.

Talentprognose ist im Rahmen der Talentauswahl so notwendig wie unvollkommen und umstritten. Die Spanne geht von der systematischen Auswahl nach  „Eignungsmerkmalen“ („ESA“ in der DDR) bis zur Auffassung, dass sich biologische Systeme einer Prognostizierbarkeit generell entziehen (Cramer, 1988). Prognosen setzen konstante Einflussfaktoren voraus. Diese sind aber in der Entwicklung der jungen Schwimmer kaum gegeben, die flexibel, eigendynamisch und nicht linear verläuft. Die Merkmale des Talents werden in der Regel von den Entwicklungsverläufen erfolgreicher Schwimmer abgeleitet (→Leitbild). Ihre Prognostizierbarkeit schließt aber eine beachtliche Fehlerquote ein. Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zur Prognostizierbarkeit sportmotorischer Leistungen gelangten zu dem Schluss, dass eine wissenschaftlich begründete Talentprognose nicht möglich ist. „Die praktische Bedeutung der Talentprognose liegt darin, eine hohe Fehlerquote dann zu akzeptieren, wenn es gelingt, am Ende eines langen Förderprozesses in einer großen Stichprobe die wirklichen Talente zu erkennen“ (Joch, 2001).  Bei einigen besonders genetisch determinierten Merkmalen (→Körperhöhe, →Muskelfaserstruktur) ist die Prognose recht sicher, das trifft auch auf so genannte „Negativprognosen“ (Carl in Röthig & Prohl, 2003, S. 581) zu wie „zu klein, zu schwer, kein Wassergefühl“ usw.

Exkurs: Die Erkenntnis, dass bei der Talentprognose nichtlineare Prognoseverfahren (Neuronale Netzwerkmethode) sich gegenüber klassischen mathematisch-statistisch linearen Ansätzen (Diskriminanzanalyse) überlegen zeigten (Hohmann, 2009, S.230), hilft dem Trainer am Beckenrand erst einmal wenig. Aber er muss entscheiden. In der Vereinspraxis ist immer noch der effektivste Weg: Beschäftige viele geeignete Kinder, die „natürliche Auswahl“ wird’s schon richten. Aber vielleicht gibt die Wissenschaft dem Praktiker doch einige Hinweise, wohin er genau gucken soll, um den Prozess zu optimieren (→Talentsuche).

Abb.: Prozesscharakter und Einheit von Talentdiagnose und – förderung (nach Hohmann www.uni-bayreuth.de/sport)

 


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