Aggression

15. März 2017 A 0

Aggression/Aggresivität (aggression), lat aggressio „heranschreiten; sich nähern; angreifen“; Verhalten, das darauf ausgerichtet, andere Personen oder Sachen zu schädigen. Aggression kann sich physisch durch Schlagen, Töten, körperliches Bedrohen, verbal durch Beleidigen, Spotten oder nonverbal durch Gesten, Mimik, verdeckt in der Phantasie, indirekt durch Sachbeschädigung, Nachrede, Mobbing, Schikane und emotional durch Stress, Ärger, Wut, Hass äußern (www.wikipedia.de). Die Konflikte nehmen zu, wenn die Konkurrenten von annähernd gleicher Leistungsstärke sind (Stulp et al. 2012). Studien an männlicher Population haben einige Assoziationen der Aggression mit den Polymorphismen (Vielgestaltigkeit) von Genen gefunden, die die Aktivität von Serotonin (5-HT) im Gehirn regulieren. Psychologische und biochemische Manifestationen der Aggression sind jedoch bei Männern und Frauen unterschiedlich (Sysoeva et al. 2009). Erhöhte Aggressivität kann auch auf leistungssteigernde Pharmaka, z.B. synthetische Androgene (Anabol-androgene Steroide), zurückgeführt werden. Sie reduzieren den Schwellenwert für die emotionale Reaktivität, die motorische Reaktion und die Aufmerksamkeit auf sensorische Reize sowie die Kontrolle über die Verhaltensweisen, die mit der synthetischen Androgenverwendung (→Doping) verbunden sind. Das ist auf eine veränderte Neuroschaltung zurückzuführen, die die Aktivierung des limbischen Systems (Funktionseinheit des Gehirns) verstärkt und die kortikale Kontrolle von oben nach unten verringert (Nicholls et al. 2017, Hildebrandt et al. 2018).

Im Sport wird der Charakter einer aggressiven Handlung maßgeblich durch die Absicht des Sportlers bestimmt, in Abweichung von den sportlichen Normen, den anderen einen Schaden (z.B. Foul) zuzufügen und ist deshalb vom sporttypischen Konkurrenzverhalten zu unterscheiden. Beispiele instrumenteller Aggression, wie das Festhalten an der Schwimmhose des Gegners im Freiwasserschwimmen, sind im Beckenschwimmen durch die räumliche Trennung in Schwimmbahnen kaum umzusetzen und verlagern sich eher auf Zeit und Ort außerhalb des Wettkampfes. Maßgeblich bestimmen Regeln und Normen der Sportart inwiefern eine Handlung als aggressiv zu werten ist. Im Gegensatz zum Boxer würde der Schwimmer mit einem Schlag in das Gesicht seines Konkurrenten kaum ungestraft bleiben. Deshalb kann nicht von der Aggression im Sport schlechthin gesprochen werden. „Normabweichungen im Sport sind nicht nur im Spiegel aggressiver Handlungen zu betrachten, sondern auch andere Normabweichungen zu berücksichtigen, z.B. Leistungsmanipulation durch Doping, Betrug oder Absprachen und unsportliche Täuschung (Gabler, 2000, S.244). Aggression bei Kindern und Jugendlichen ist oft Zeichen von Sinnverlust und sollte als Hilferuf verstanden werden. „Wirtschaftliche Krisen, Arbeitslosigkeit und Prozesse der gesellschaftlichen Desintegration verschärfen die Probleme Jugendlicher und ihrer Familien. Zur Verunsicherung von Eltern und Erziehern kommt hinzu, dass es nicht nur an Einrichtungen fehlt, die Gelegenheit für sinnvolle und befriedigende Tätigkeit in der Freizeit bieten, sondern auch an geeignetem Personal und an der Bereitschaft von Erwachsenen, sich dafür einzusetzen“ (Grupe & Krüger, 1997). Hier kann der organisierte Sport gegensteuern. Seine Faszination liegt darin, „dass er den einzigen Bereich des gesellschaftlichen Lebens in unserer Zeit darstellt, in dem körperliche Aggressionen erlaubt und sogar nötig sind. Spannung und Leidenschaft kann körperlich ge- und erlebt werden, wie es außerhalb des Sports in dieser Form nicht mehr möglich ist. Aber gleichzeitig verlangen die Regeln des Sports auch Disziplin und Kontrolle“ (ebenda). Um gegen aggressives Verhalten vorgehen zu können, muss man herausfinden, wofür das auffällige Verhalten steht. Was versucht der Sportler über sich und/oder seine Umgebung zu sagen? (Vollmer, 2005). Hierzu sind Kenntnisse des Trainers über das Umfeld (Elternhaus, Schule, Freundeskreis) vonnöten.

 

Mehr zum Thema: http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/aggression/337

 

„Wenn Ungeduld und Hilflosigkeit aufeinander treffen, entsteht Aggression.“ Tom Borg, dt. Autor

 


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