Hemmung

25. Mai 2017 H 0

Hemmung (inhibition), Störung des normalen Ablaufs psychischer oder auch körperlicher Funktionen (Dorsch,2004, S. 397). DerBegriff wird verwendet in der

  • Sprachpsychologie, wenn die Verarbeitung eines Wortes die Verarbeitung eines zweiten nachfolgenden Wortes beeinflusst, falls zwischen beiden Wörtern eine semantische Beziehung besteht (Priming)
  • Biochemie als Hemmung von Enzymen (Enzyme inhibitor)
  • Physiologie als die Abnahme der Erregbarkeit von Nervenzellen (→Inhibition)
  • Psychologie als Gedächtnishemmung, Verhaltensweise aus Angst, Minderwertigkeits– oder Schuldgefühl.
  • Umgangssprachlich steht es für Schüchternheit.

Durch Hemmungen werden Bewegungshandlungen reguliert. Oft führen zu hohe Erwartungen an sich selbst (Erfolgsdruck) oder übertriebener Perfektionismus zu Blockaden. Im Wettkampf geht plötzlich nichts mehr. Dann sollten unbewusste Gedanken, Überzeugungen oder Glaubenssätze über sich selbst und das Leben erschlossen und korrigiert werden (kognitive Verhaltenstherapie )- bis zur abendlichen Notiz von „3 Dingen über die man sich gefreut hat“.

Darüber hinaus verfügt der Organismus über Schutzhemmungen. Mateeff (1957) bezeichnete das Übertrainingssyndrom als zentrale Schutzhemmung“. Ein weiteres typisches Beispiel für Schutzhemmung ist der Schlaf. Training kann adaptive Veränderungen neuraler Funktionen bewirken, die zu einer Zunahme der efferenten neuronalen Ausschüttung, einer Absenkung der präsynaptischen (vor einer Synapse gelegenen) Hemmung der spinalen Motoneuronen und zur Herunterregulierung der Hemmungsprozesse führenm (Aagaard, 2003). Dabei sind besonders im Nachwuchstraining biologisches– und Trainingsalter der Sportler zu beachten, die den Anpassungsprozess (aufbauend oder hemmend) beeinflussen (Brzank et al. 1989).

 

Exkurs: „Jeder Wettbewerb wird immer auch ein Stück weit im Kopf entschieden. Es gibt zum Beispiel Hemmungsmechanismen, die weder nach außen sichtbar noch den Betroffenen bewusst sind. Manche Sportler haben eine unbewusste Hemmung, zu siegen, das kommt gar nicht so selten vor. Klar, zu siegen ist einerseits schön. Andererseits sind wir Menschen Herdentiere. Wir wollen nicht zu sehr herausragen, weil wir den Neid oder die Aggression der anderen befürchten. Diese Hemmung, die in uns allen steckt, kann dazu führen, dass jemand bei einer hundertprozentigen Torchance – das Tor ist frei, der Ball liegt auf dem Fuß – ohne es zu wollen den Ball danebenknallt. Das sind ziemlich fiese, unbewusste Mechanismen.“ (Neurobiologe Joachim Bauer in FAZ vom 7.03.2013)

„Die Ohnmacht des Menschen in Mäßigung oder Hemmung der Affekte nenne ich Knechtschaft; denn der von seinen Affekten abhängige Mensch ist nicht Herr über sich selbst, sondern dem Schicksal untertan.“ Baruch de Spinoza (1632 – 1677), holländischer Philosoph

Mehr zum Thema: http://flexikon.doccheck.com/de/Hemmung – Zugriff 05.07.2019

 


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