Muskelkrampf

18. November 2020 M 0

Muskelkrampf (muscular spasm; in der Arbeits- und Sportmedizin „exercise-associated muscle cramps“ – EAMC), Funktionsstörung des Muskels als unwillkürliche, schmerzhafte Kontraktion. Im Sport zumeist in folge von Überlastung verbunden mit Unregelmäßigkeiten des Substratstoffwechsels („Stoffwechseltheorie“), der Flüssigkeitsbalance („Dehydratationstheorie“),  des Serumelektrolytspiegels („Elektrolyttheorie“) oder durch extreme heiße oder kalte Umweltbedingungen („Umwelttheorie“) (Schwellnus et al. 1997). Die Ursachen werden kontrovers diskutiert (Nakagawa et al. 2015). Nach einer Metaanalyse führt ein Ungleichgewicht zwischen erhöhter afferenter Aktivität (z.B. Muskelspindel, Ia) und verminderter hemmender afferenter Aktivität (z.B. Golgi-Sehnenorgane, Ib) zu erhöhter a-motorischer Neuronenaktivität und Muskelkrämpfen, insbesondere bei Muskelkontraktion in verkürzter Position (Schwellnus et al. 1997; Edouard, P. 2014). Vorrangig betroffen sind Waden, Oberschenkel und Hüftmuskulatur.

Beim Schwimmtraining können besonders plötzlicher Wechsel der Schwimmart nach langen Strecken (z.B. von Brust zu Kraul, Abstoß nach Wende), die Benutzung von Schwimmflossen oder kaltes Wasser zu Krämpfen führen. Die beim Schwimmen auftretenden Muskelkrämpfe lassen sich zumeist durch passives Dehnen der betroffenen Muskulatur beheben. Danach hilft Flüssigkeitszufuhr (→Flüssigkeitshaushalt) und Magnesium (umstritten, s. Weller et al. 1996 und Exkurs), keine Salztabletten, da diese zu Magenkrämpfen führen und durch verstärkten Harndrang die Krampfbereitschaft fördern (Maibaum et al. 2001). Als „peripheres Muskelrelaxans“ wird das Medikament Chininsulfat empfohlen, das direkt am Muskel wirkt. →Alkalose

Exkurs: „Auslöser des Magnesium-Hypes bei Muskelkrämpfen war vor allem ein Fachartikel aus dem Jahr 1983. Damals berichteten Forscher im Journal „Physiology of Sports Medicine“ von einer Tennisspielerin, die beim intensiven Training im Freien immer Krämpfe bekam und unter Magnesiummangel litt. Mit Dosen von 500 Milligramm Magnesium pro Tag verschwanden ihre Krämpfe wieder… 2012 trugen Forscher um Scott Garrison von der University of British Columbia die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen. Ihr Ergebnis war ernüchternd: Bei älteren Menschen mit nächtlichen Krämpfen wirkte Magnesium kaum besser als ein Scheinmedikament. Bei Schwangeren, die ebenfalls häufiger von Krämpfen betroffen sind, kamen Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen. Und zu Muskelkrämpfen bei Sportlern gab es keine aussagekräftigen Untersuchungen“ (Berres, I.: Mythos oder MedizinWirkt Magnesium bei Muskelkrämpfen? SPIEGEL-Online vom 25.11.2013)

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