Öffnet in einem neuen Tab

Begriff

Muskelhypertrophie

Muskelhypertrophie (hypertrophy of muscle), lat. hypertrophia  „Überernährung“; Größenzunahme des Muskels, konkret der Muskelfasern (vornehmlich der FTF IIb).

Die Jüngste Fortschritte in der Molekularbiologie haben bestätigt, dass durch körperliche Betätigung anabole Hormone freigesetzt werden (Anabolismus). Zugleich scheinen intrinsische Faktoren der Muskelkontraktion eine wichtige Rolle bei der durch körperliche Betätigung ausgelösten Proteinsynthese und Hypertrophie zu spielen (Arantes et al. 2020). Hier führt besonders das Maximalkrafttraining (→Hypertrophiemethode) zu einer Vergrößerung des Muskelquerschnitts  oder besonders nach Verletzungen die Elektromyostimulation (EMS). Am Beispiel der Seitigkeit konnten 10% mehr Muskelfasern bei der Muskulatur der dominanten Seite nachgewiesen werden, was für eine Muskelfaserhyperplasie beim Menschen spricht (Antonio & Gonyea 1993). Eine Muskelhypertrophie ist bei systematischem Training etwa nach sechs Wochen zu erwarten, alle kurzfristigeren Angebote diverser Fitnesscenter („Traumfigur in einem Monat“) sind unaufrichtig, da der Umbau der beanspruchten Muskulatur länger dauert. Die Frequenz des Widerstandstrainings hat nach Schoenfeld et al. (2019) keinen signifikanten Einfluss auf die Muskelhypertrophie hat, wenn das Volumen gleichgesetzt wird. Die Literatur unterstützt nicht die Hypothese, dass ein Training zur Muskelhypertrophie kürzere Ruheintervalle erfordert als ein Training zur Kraftentwicklung oder dass vorgegebene Ruheintervalle in dieser Hinsicht autogeregelten Ruhezeiten vorzuziehen sind (Henselmans & Schoenfeld, 2014). Ferner ist zu berücksichtigen, dass die maximale Kraft nicht nur von der Muskelmasse, sondern auch von der intramuskulären Koordination abhängt. Auch die Reihenfolge der Widerstandsübungen beeinflusst die Zunahme der Muskelkraft. So wurden bei Übungen, die zu Beginn des Krafttrainings durchgeführt werden, größere Verbesserungen der Kraft beobachtet (Nunes et al. 2020). →Muskelaufbautraining

 Muskelhypertrophie

Modell der Hypertrophiesteuerung durch Krafttraining (A) und aerobes Ausdauertraining (B) (nach Weineck 2002, S. 278)

Exkurs: Zur Muskelhypertrophie gibt es, angeregt durch die zahlreichen Fitnesscenter und die Bodybuilder Szene, viele sich teilweise widersprechende Studien und „Trainingsweisheiten“. Dabei ist immer das Zusammenspiel von Intensität (hier Last), Trainingsumfang (Satz), aber auch Bewegungsgeschwindigkeit zu beachten. So haben jüngste Forschungen gezeigt, dass ein Training mit niedrigen externen Gewichten eine Hypertrophie induzieren kann, die mit der durch ein Training mit hohen externen Gewichten induzierten Hypertrophie vergleichbar ist, wenn jeder Satz bis zum Hebeversagen durchgeführt wird. Daher ist es wichtig, die Merkmale jeder Trainingsmethode zu verstehen, um das am besten geeignete Trainingsprogramm auf der Grundlage des individuellen Fitnessniveaus und der Ziele der Person zuzuordnen (Ozaki et al. 20117). Eine weitere Debatte wird darüber geführt, ob einseitige Übungen (d. h. mit jeweils nur einem Glied) bilateralen Übungen (d. h. mit beiden Gliedern) überlegen sind. Kassiano et al. (2025) fanden in einer Metaanalyse keine Hinweise auf eine unterschiedliche Muskelhypertrophie zwischen den beiden Trainingsformen. Kraftzuwächse scheinen dem Prinzip der Spezifität zu folgen. 

Mehr zum Thema

Quellen

  • Antonio & Gonyea (1993). Skeletal muscle fiber hyperplasia. Med.Sci.Sports Exerc. 12/1993, 1333-1345 Zur Quelle
  • Arantes, Paulucio da Silva, Luiz de Alvarenga, Terra, Koch, Machado & Saboia Pompeu (2020). Skeletal muscle hypertrophy: molecular and applied aspects of exercise physiology. German Journal of Exercise and Sport Research (50)2, 195-207 Zur Quelle
  • Henselmans & Schoenfeld (2014). The effect of inter-set rest intervals on resistance exercise-induced muscle hypertrophy. Sports Medicine (44)12, 1635-1643 Zur Quelle
  • Kassiano, Nunes, Costa, Ribeiro, Loenneke & Cyrino (2025). Comparison of muscle growth and dynamic strength adaptations induced by unilateral and bilateral resistance training: a systematic review and meta-analysis. Sports Medicine, 55 (4), 923-936. Zugriff am 09.05.2025 unter https://doi.org/10.1007/s40279-024-02169-z DOI Zur Quelle
  • Nunes, Grgic, Cunha, Ribeiro, Schoenfeld, de Salles, J. F., Cyrino (2020). What influence does resistance exercise order have on muscular strength gains and muscle hypertrophy? A systematic review and meta-analysis. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/17461391.2020.1733672?journalCode=tejs20 - Zugriff 22.11.22 DOI Zur Quelle
  • Schoenfeld, Grgic & Krieger (2019). How many times per week should a muscle be trained to maximize muscle hypertrophy? A systematic review and meta-analysis of studies examining the effects of resistance training frequency. Journal of Sports Sciences (37)11, 1286-1295 Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • MuskelLat. musculus „Mäuschen“; in der Summe aller Muskeln (Muskulatur) das größte Organ des …
  • MuskelfaserKontraktiler Grundbaustein der Skelettmuskulatur …
  • anabolGriech. anabolé „Vertagung, Aufschiebung“; aufbauend, bezogen auf den Anabolismus.
  • HormoneGriech. ὁρμᾶν hormān „antreiben, erregen“ …
  • AnabolismusGriech. anabolé „Vertagung, Aufschiebung“; Aufbaustoffwechsel …
  • intrinsischLat. intrinsecus "innerlich, seelisch"; innerlich …
  • MuskelkontraktionLat. contractio „Zusammenziehung“; Spannungserhöhung im Muskel …
  • ProteinsyntheseProtein(bio)synthese (protein synthesis), früher Eiweißsynthese, Translation …
  • AnpassungsstufenPhasen der Anpassung an regelmäßige Trainingsbelastung …
  • DehnfähigkeitAnatomische Grundlage der Beweglichkeit …
  • HeterochronieGriech. heteros „abweichend“ und chrónos „Zeit“ …
  • HyperplasieLat. hyperplasia „übermäßige Zellbildung“ …
Überarbeitet am 9. Juni 2025Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2025). Muskelhypertrophie. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/muskelhypertrophie/ (abgerufen am 19. Oktober 2026).