Begriff: Sportherz

Sportherz

Sportherz (athletic heart), durch Trainingsbelastung vergrößertes gesundes Herz, womit eine Ökonomisierung und Leistungserhöhung verbunden ist. Bei nur 15% der Sportler kann von einem durch Training hypertrophiertem Herz gesprochen werden, dabei sind Lebensalter, genetische und ethnische Einflüsse zu beachten. „Die Auswurffraktion kann aufgrund der erhöhten parasympathischen Aktivität in Ruhe grenzwertig niedrig sein, normalisiert sich aber unter Belastung. Die diastolische Funktion ist normal bis hochnormal. Belastungsinduzierte Veränderungen nach extremen Ausdaueraktivitäten sind passager (vorübergehend, Ru.) und wahrscheinlich ohne klinische Bedeutung.(Kindermann & Scharhag, 2014, S. 327). Besonders Ausdauertraining beeinflusst das Wachstum der linksventrikulären Masse, ohne dass es zu einer Dilatation kommt und die zentrale Hämodynamik und Herzfunktionalität erhalten bleiben (Medvedev & Kachenkova, 2021). Das Zusammenspiel von verringerter Herzfrequenz und erhöhtem Schlagvolumen ökonomisiert die Arbeit des Herzens, es kommt zu einem erhöhten maximalen Herzzeitvolumen und damit zu einer gesteigerten maximalen Sauerstoffaufnahme. Epidemiologische Daten deuten auf eine lebensverlängernde Wirkung durch Leistungssport (vornehmlich Ausdauersport) hin.  →Herzgröße

Die durch sportliche Betätigung hervorgerufenen morphologischen und funktionellen Veränderungen des „Sportherzens“ liegen oft außerhalb der „normalen Grenzen“. Und es ist nicht immer einfach, zwischen Pathologie und normaler Physiologie zu identifizieren. Der Phänotyp des Sportlerherzens ist nicht auf eine Kammer oder Funktion beschränkt (Flanagan et al. 2023). Wenn ein Sportler Herzsymptome, eine besorgniserregende Familienanamnese, auffällige Herzuntersuchungsergebnisse oder eine zugrunde liegende Herzerkrankung aufweist, reicht eine Konsultation des Hausarztes nicht aus. Es ist eine Vielzahl von Fachärzten erforderlich, um den Sportler angemessen zu versorgen (Dean et al. 2022). In Studien konnte eine intensive langjährige Sportausübung wie auch ein abruptes Sportkarriereende ohne Abtrainieren mit Folgeerscheinungen und gewissen Folgeerkrankungen assoziierte werden. Ein ausdauerbetontes Abtrainieren scheint dabei diese Folgeerscheinungen positiv zu beeinflussen bzw. gar nicht erst auftreten zu lassen (Keller, K. 2022).

Schwimmtraining, das durch einzigartige Herzbelastungsbedingungen (Körperlage, Wasserdruck) gekennzeichnet ist, stimuliert eine exzentrische LV-Remodellierung (Umbauprozess des linken Ventrikels) mit einer gleichzeitigen Verstärkung der systolischen Torsion (Drehbewegung des linken Ventrikels) und der diastolischen Relaxation (Madeira et al. 2006; Wasfy et al. 2019). Die Schwimmer liegen mit einem mittleren absoluten Herzvolumen von 943 ml über dem Mittel der Sportler verschiedener Sportarten, wobei disziplinspezifische Unterschiede nicht berücksichtigt wurden (Scharhag, 2007).

Exkurs: Die Lebensstudie eines 77-jährigen ehemaligen Marathon-Weltmeisters veranschaulicht die Auswirkungen lebenslanger hochintensiver Ausdauerübungen auf die Funktionsfähigkeit (Vo2max entspricht einem 20- bis 29-Jährigen), was teilweise auf eine extreme ventrikuläre Umgestaltung zurückzuführen ist, die trotz reduzierter maximaler Herzfrequenz ein großes Herzzeitvolumen während des Trainings ermöglicht. Obwohl es möglich ist, dass diese extreme Umgestaltung zur Entwicklung von Vorhofflimmern beiträgt, begünstigen die Nettovorteile extremer körperlicher Betätigung während der gesamten Lebensspanne dieses Athleten eine längere Gesundheitsspanne und eine höhere Lebenserwartung (Foulkes et al. 2024)..

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  • Erstellt am: 12. Dezember 2025
  • Überarbeitet am: 12. Dezember 2025
  • Autor: Klaus Rudolph

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