Öffnet in einem neuen Tab

Begriff

Sexualität

Sexualität (sexuality), lat. sexus „Geschlecht“; Gesamtheit aller vom Geschlechtstrieb ausgehenden Empfindungen und Verhaltensweisen im Leben eines Menschen. Damit ist Sexualität mehr als nur Geschlechtsverkehr, sondern betrifft auch alle Formen der Zärtlichkeit, der Selbstbefriedigung sowie Erfahrungen mit dem eigenen oder anderen Geschlecht. Kinder besitzen ab der Geburt eine eigene Sexualität, die sich von der des Erwachsenen unterscheidet. Die Einstellung von Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Trainer) ist entscheidend, wie Kinder ihre Sexualität entwickeln (Vollmer, 2005). →Diversität, →Transgender

Fragen der Sexualität im Leistungssport wurden über Jahrzehnte weitgehend verdrängt. Die ersten Untersuchungen tendieren zu einer „produktiven Wechselbeziehung“ zwischen sportlicher und sexueller Aktivität (Voss, 1984, 267).

Nach einer Befragung bestand für 60 % kein Zusammenhang zwischen Sexualität und Wettkampfleistung, 29 Prozent verzichten in der Regel vor Wettkämpfen auf Sex und nur 9 Prozent glauben, dass sich Sex günstig auf die Wettkampfleistung auswirken würde (Lukesch, 1990). Allerdings weisen die meisten Studien zu diesem Thema eine gering methodische Qualität auf. Ungeachtet dessen folgern Soori et al. (2017), dass der Geschlechtsverkehr mindestens 10-12 Stunden vor sportlichen Ereignissen die physiologischen Testergebnisse und möglicherweise die sportliche Leistungsfähigkeit nicht negativ beeinflusst. Allerdings habe der Sex unmittelbar oder einige Stunden vor einem Wettkampf negative psychologische oder physiologische Auswirkungen auf die sportliche Leistung.

Sommer (https://www.maennergesundheit.info/prof-dr-sommer/zur-person.html) untersuchte die Einflüsse von sexueller Aktivität auf verschiedene Sportarten. So war es etwa bei Kampfsportarten negativ, wenn die Männer wenige Stunden vor dem Wettkampf einen Orgasmus hatten. Ihre Konzentrationsfähigkeit und Aggressivität litten. Ähnliche Ergebnisse gab es auch bei den Untersuchungen mit Leichtathleten, vor allem mit Sprintern.

Leichtathleten in den Schnellkraftsportarten wie Sprint oder Kugelstoßen sollten 36 Stunden vor einem Wettkampf sexuell abstinent sein, wenn sie maximal leistungsfähig sein wollen. Sehr positiv wirkte sich sexuelle Aktivität kurz vor einem Wettkampf hingegen bei den Konzentrationssportarten wie Bogen- oder Pistolenschießen aus. Hier konnten die Leistungssportler nach sexueller Aktivität bessere Leistungen erzielen.

Das zunehmende Hinterfragen von Geschlechternormen, Stereotypen wie auch die Vorstellung der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen macht auch vor dem Leistungssport nicht halt. Wie die Lehrer an den Schulen sind auch die Trainer gefordert, sich Fragen der Homosexualität (Rohlwing, 2015) und des Transgender zu stellen.

Sexueller Missbrauch von Trainern an Sportlern/innen, sexuelle Gewalt in der Gleichaltrigengruppe, innerhalb homosexueller Beziehungen sowie von Sportlerinnen untereinander sind im Sport bekannt, bleiben aber Ausnahmen. Im Sportverein ist diese Thematik aber weitgehend tabuisiert. Die Trainer sind mit dem Ehrenkodex des deutschen Sports angehalten, auf jegliche sexuelle Gewalt zu verzichten.

Exkurs: „Ein befriedigendes Sexualleben ist wichtiger Bestandteil eines körperlichen und geistigen Gleichgewichtes und trägt mit zu einer optimalen körperlichen Leistungsfähigkeit bei. Sportlich aktive Personen sind auch sexuell aktiver und klagen weniger häufig über Störungen ihres Sexuallebens. Hinweise für eine nennenswerte Leistungsminderung im Wettkampf durch sexuelle Aktivität zwei bis zehn Stunden zuvor finden sich in der sportmedizinischen Literatur nicht, nicht zuletzt aufgrund schwieriger und häufig praktisch nicht durchführbarer (und kontrollierbarer) Untersuchungsbedingungen“ (Rossetto, 2000, S. 61).

Im Gegensatz dazu kam ein Forscherteam der Universität Oxford bei einer Studie mit 2.000 Probanden, die allesamt am London Marathon teilnahmen, zu der Erkenntnis, dass Sex vor dem Wettkampf die Leistung um fünf Minuten steigerte (Anderson et al. 2001). Ist da eine vollkommen neue Form des „Warmmachens“ angesagt? Aber auch hier zählt: Allzu viel ist ungesund.

„Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.“  Berti Vogts, Fußballtrainer

Quellen

  • Anderson, Wei & Shyu (2001). The Relationship Between Sexual Activity (and Four other Health Behaviors) and Marathon Performance Among Non-elite Runners. Electronic Journal of Human Sexuality. Volume 4, S.4. Zur Quelle
  • Rohlwing, C. (2015). Homosexualität im deutschen Profifußball. Schwulenfreie Zone Fußballplatz? Tectum-Verlag, Marburg Zur Quelle
  • Rossetto, M. (2000): Sport und Sexualität. Fit for Life, 1-2/2000, 60-61, http://sportklinik-basel.ch/files/fitforlife/Sport%20&%20Sex.pdf Zur Quelle
  • Soori, Mohaghegh, Hajian & Yekta (2017). Sexual activity before competition and athletic performance: A systematic review. Ann. Appl. Sport Sci 2017, 5(3): 5-12 Zur Quelle
  • Vollmer, K. (2005). Das Fremdwörterbuch für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte. Freiburg: Herder Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • EmpfindungIn der Psychologie die unbewusste Reaktion auf äußere Reize und …
  • VerhaltenDer Verhaltensbegriff wird in den einzelnen Wissenschaften unterschiedlich definiert.
  • ErfahrungDurch Wahrnehmung und Lernen erworbene Erkenntnisse und Verhaltensweisen …
  • EinstellungIn der Psychologie nicht eindeutig beschriebener Begriff: Haltung eines …
  • ElternMutter und Vater (auch gleichgeschlechtlich möglich) als Verwandte ersten Grades.
  • TrainerEngl. to train „ausbilden“; im Amerikanischen bezieht sich der Begriff auf den …
  • Diversity Management„Diversity Management" (engl. „vielfältige, abwechslungsreiche Führung“) …
  • TransgenderBezeichnung für Menschen …
  • HypothalamusTeil des Zwischenhirns (Diencephalon) …
  • KindheitLebensabschnitt von der Geburt bis zum Übergang in das Jugendalter …
  • Körper(lat, corpus); In der Medizin gesamte materielle Komponente des Menschen oder nur ein Teil …
  • KörperkontaktVerschiedene Formen gegenseitiger Berührung …
Überarbeitet am 5. Februar 2024Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2024). Sexualität. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/sexualitaet/ (abgerufen am 22. Oktober 2026).