Sexualität

19. Juli 2017 S 0

Sexualität (sexuality), lat. sexus „Geschlecht“; Gesamtheit aller vom Geschlechtstrieb ausgehenden Empfindungen und Verhaltensweisen im Leben eines Menschen. Damit ist Sexualität mehr als nur Geschlechtsverkehr, sondern betrifft auch alle Formen der Zärtlichkeit, der Selbstbefriedigung sowie Erfahrungen mit dem eigenen oder anderen Geschlecht. Kinder besitzen ab der Geburt eine eigene Sexualität, die sich von der des Erwachsenen unterscheidet. Die Einstellung von Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Trainer) ist entscheidend, wie Kinder ihre Sexualität entwickeln (Vollmer, 2005).

Fragen der Sexualität im Leistungssport wurden über Jahrzehnte weitgehend verdrängt. Die ersten Untersuchungen tendieren zu einer „produktiven Wechselbeziehung“ zwischen sportlicher und sexueller Aktivität (Voss, 1984, 267). Nach einer Befragung bestand für 60 % kein Zusammenhang zwischen Sexualität und Wettkampfleistung, 29 Prozent verzichten in der Regel vor Wettkämpfen auf Sex und nur 9 Prozent glauben, dass sich Sex günstig auf die Wettkampfleistung auswirken würde (Lukesch, 1990). Allerdings weisen die meisten Studien zu diesem Thema eine gering methodische Qualität auf. Ungeachtet dessen folgern Soori et al. (2017), dass der Geschlechtsverkehr mindestens 10-12 Stunden vor sportlichen Ereignissen die physiologischen Testergebnisse und möglicherweise die sportliche Leistungsfähigkeit nicht negativ beeinflusst. Allerdings habe der Sex unmittelbar oder einige Stunden vor einem Wettkampf negative psychologische oder physiologische Auswirkungen auf die sportliche Leistung.
Das zunehmende Hinterfragen von Geschlechternormen, Stereotypen wie auch die Vorstellung der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen macht auch vor dem Leistungssport nicht halt. Wie die Lehrer an den Schulen sind auch die Trainer gefordert, sich Fragen der Homosexualität (Rohlwing, 2015) und des Transgender zu stellen.

Sexueller Missbrauch von Trainern an Sportlern/innen, sexuelle Gewalt in der Gleichaltrigengruppe, innerhalb homosexueller Beziehungen sowie von Sportlerinnen untereinander sind im Sport bekannt, bleiben aber Ausnahmen. In den Vereinen ist diese Thematik aber weitgehend tabuisiert. Die Trainer sind mit dem Ehrenkodex des deutschen Sports angehalten, auf jegliche sexuelle Gewalt zu verzichten.

 

Exkurs: „Ein befriedigendes Sexualleben ist wichtiger Bestandteil eines körperlichen und geistigen Gleichgewichtes und trägt mit zu einer optimalen körperlichen Leistungsfähigkeit bei. Sportlich aktive Personen sind auch sexuell aktiver und klagen weniger häufig über Störungen ihres Sexuallebens. Hinweise für eine nennenswerte Leistungsminderung im Wettkampf durch sexuelle Aktivität zwei bis zehn Stunden zuvor finden sich in der sportmedizinischen Literatur nicht, nicht zuletzt aufgrund schwieriger und häufig praktisch nicht durchführbarer (und kontrollierbarer) Untersuchungsbedingungen“ (Rossetto, 2000, S. 61). Im Gegensatz dazu kam ein Forscherteam der Universität Oxford bei einer Studie mit 2.000 Probanden, die allesamt am London Marathon teilnahmen, zu der Erkenntnis, dass Sex vor dem Wettkampf die Leistung um fünf Minuten steigerte (Anderson et al. 2001). Ist da eine vollkommen neue Form des „Warmmachens“ angesagt? Aber auch hier zählt: Allzu viel ist ungesund.

„Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.“  Berti Vogts, Fußballtrainer


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