Puffer/-systeme

10. April 2022 P 0

Puffer/Puffersysteme (puffer systems), Chemische Stoffe (Bicarbonat, Hämoglobin, Plasma-Eiweiße, Phosphate), die die Wasserstoffionenkonzentration der Körperflüssigkeiten (pH-Wert) konstant halten und damit auch eine Schlüsselrolle bei der Laktateliminierung einnehmen. →Pufferkapazität

Sportliche Akti­vi­täten mit einer überwiegend anaeroben Energiegewinnung wie Kurzzeit– und Intervallbelastungen bringen die verschiedenen Puffersysteme an ihre Grenzen. Dadurch kann der Blut-pH bis ca. 6.8 absinken, der intrazelluläre pH bis ca. 6.4. In der Folge kann es zu Funktionsstörungen im Bereich der kontraktilen Elemente (Aktin, Myosin) im Muskel kommen. Zugleich beeinträchtigen die reduzierten Enzymaktivitäten die Energiebereitstellung und die Bildung energiereicher Phosphate (z.B. ATP) und somit die körperliche Leistungsfähigkeit. Deshalb empfahlen schon 1930 Mediziner, den Säure-Basen-Haushalt über die Verabreichung von Puffersubstanzen in Form von Natrium-Bikarbonat zu beeinflussen (Quelle s.u.). Allerdings sollten die Nebenwirkungen nicht unterschätzt werden. Das Natron-Gemisch kann als hoch konzentrierte Lösung Durchfall, Bauchschmerzen und bis zu Erbrechen führen. Statt im Ziel landet man dann auf der Toilette.

Exkurs: Verschiedene Studien verweisen darauf, dass die chronische, aber nicht die akute Einnahme von Natriumbikarbonat die Spitzenleistung als auch die mittlere Leistung des Wingate-Tests erhöht (Lopes-Silva et al. 2019). Bei professionellen Schwimmern konnte durch die Einnahme von Natriumbicarbonat die Leistung über 200m Freistil um immerhin anderthalb Sekunden verbessert werden.  Natrium-Bicarbonat (NaHCO3, Natron, doppeltkohlensaures Natron, Backpulver, Speisesoda, Bullrich-Salz, korrekte Bezeichnung: Natriumhydrogencarbonat) ist ein säureneutralisierender Wirkstoff. Sein bisheriger Einsatz als Magensäure bindendes Mittel (Antazidum) gegen Sodbrennen gilt medizinisch als völlig überholt und ungeeignet. Im Sport avancierte er hingegen intravenös verabreicht zum Dopingmittel (Lindh et al. 2008). Die Supplementierung von Beta-Alanin in Kombination mit Natriumbicarbonat erhöhte noch den leistungssteigernden Effekt über 100/200m im Schwimmen (de Salles Painelli et al. 2013).

Fazit: „Natron kann in gewissen Anwendungsbereichen zu Leistungssteigerungen führen. Jedoch sollten sich Athletinnen und Athleten überlegen, ob sie dafür die potenziellen Nebenwirkungen in Kauf nehmen wollen. Falsch zugeführt, kann Natron die Leistung in einem Wettkampf sogar mindern“. Lisa Neumann (FITBOOK) im Interview mit Dr. Schmidt-Hellinger, Sportmediziner und erfolgreicher Langstreckenläufer, 31.10.2020.

Eine basenreiche Basisernährung in Ergänzung mit dem regelmäßigen Verzehr eines hydrogencarbonatreichen Mineralwassers sorgt mit dafür, dass nach einem intensiven Training, z. B. im Kraftraum, aus einem möglichen Muskelkater eher ein kleiner Schmusekater oder ein Schmusekätzchen wird.“ Günter Wagner,  Ernährungswissenschaftler und Mitglied des Vorstandes im Deutschen Institut für Sporternährung e.V.

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