Bicarbonat (Natron)

22. März 2017 B 0

Bicarbonat (bicarbonate), Hydrogencarbonat, das als Puffersubstanz eine wichtige Rolle bei der Neutralisierung des Laktats spielt (→Alkalose). Durch Zuführung von Bicarbonat („soda loading“) konnte ein positiver Effekt auf die Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden. (Rupp et al. 1983, Sutton et al. 1981, Wilkes et al. 1983). So zeigte sich, dass bei einer Dosis von 300-500 mg HCO3-/kg Körpergewicht und kurzen intensiven Belastungen bis etwa 5 Minuten die besten Ergebnisse erzielt werden konnten (WIlkes et al. 1981, Costill et al. 1984, Horswill et al.1988, Inbar et al. 1981). Die gesteigerte extrazelluläre Pufferkapazität beeinflusst durch Aufrechterhaltung eines pH-Gradienten den intrazellulären pH indirekt (→Säure-Basen-Haushalt). Es werden verstärkt Laktat- und H+ über den Membrantransporter befördert, der kritische pH-Wert später erreicht und länger Energie produziert. Bicarbonat macht etwa 75% der Gesamtpufferkapazität aus. Insgesamt kommen die Mediziner zum Schluss, dass die Natrium-Bicarbonat-Supplementation die Leistung beim 200 Meter-Freistilschwimmen bei Hochleistungsschwimmern verbessern kann, vermutlich durch eine Blutalkalisierung und damit eine erhöhte Säurepufferungskapazität (→Alkalireserve). Die Autoren sprechen damit klar aus, um was es sich bei Natrium-Bicarbonat – zumindest im Schwimmsport- handelt, nämlich um eine ergogene Substanz, also um einen Wirkstoff, der die sportliche Leistung fördert (Zajac et al. 2009). Genauso ist es aber eine Katastrophe, dass im Hochleistungssport sehenden Auges die Risiken solcher Supplemente („Laktat-Puffer“) für die Sportlergesundheit in Kauf genommen werden. Und dass die Anti-Doping-Verantwortlichen der Verbände leistungssteigernde Wirkstoffe wie Natrium-Bicarbonat weiterhin dulden. Da es aber nicht als Arzneimittel zählt (Backpulver steht jedem zur Verfügung) und so nicht der Gruppe der verbotenen Dopingmittel zugeordnet ist, bewegen wir uns hier eher in der Grauzone der Nahrungsergänzungsmittel: Jeder kann, keiner soll!

Mehr zum Thema: Wagner, Schröder & Camo dell’Orto (2017).Hydrogencarbonat – Risiko von kleineren Muskelläsionen aktiv verringern. Sportärztezeitung, 1/17, 86-91 (https://www.sportaerztezeitung.de/sporternaehrung-abo/articles/hydrogencarbonat, Zugriff am 29.11.2018)


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