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Begriff

Genetik

Genetik (genetics), griech. geneá „Abstammung“; Vererbungslehre, die sich mit den Gesetzmäßigkeiten und materiellen Grundlagen der Ausbildung von erblichen Merkmalen und der Weitergabe von Genen an die nächste Generation befasst (Wikipedia). →Gendoping, →Genanalyse, →DNA, →Talent, →Vererbung, →Muskelfaserstruktur, →Genomforschung

Erbanlagen und deren Weitervererbung sind von großem Interesse für die Talentauswahl im Sport. Etwa 50% der sportlichen Leistungen gründen sich auf genetische Faktoren (Mester in FAZ von 24.08.2009). Durch Genanalysen wurden im Erbgut von Sportlern zum Beispiel ein „Kraft-Gen“ (577R-Allel) und ein „Ausdauergen“ (I-Variante des ACE-Gens) gefunden. Letzteres tragen 94 Prozent der Sherpas in sich, während es in der restlichen Welt 40-70% sind. Zugleich sind aber mindestens 23 Genvarianten bekannt, die dieAusdauer beeinflussen. Im Sinne der Talentdiagnostik darf einmal die Komplexität der sportlichen Leistungsfähigkeit (249 Gene mit sportbezogener Reevanz sind bekannt) als auch der Einfluss der Umwelt nicht unterschätzt werden. So haben Teile des menschlichen Verhaltens einen natürlichen Ursprung, da sich das „analoge evolutionäre Verhalten unter den letzten analogen Selektionsbedingungen ausgebildet hat und genetisch einschreiben konnte“ (Lanegger, 2008). Das betrifft so grundsätzliche Verhaltensweisen wie Revierverteidigung (Spiele), Rangordnung und Rangstreben (→Wettkampf), Gleitfähigkeit (→Wassergefühl). Diese Zusammenhänge in der Trainingspraxis zu berücksichtigen heißt, den Sportler zu individuellen Lösungswegen auffordern, die sich an der Innensicht orientieren, vergleichbar mit →problembasiertem Lernen.

„Letztendlich werden genetische Tests dem Anspruch zur Abklärung sportlicher Leistungsfähigkeit nicht gerecht. Auch die WADA lehnt den Gebrauch genetischer Information beispielsweise zur Selektion oder Diskrimination von Athleten in Sportteams ab… Dennoch steht zu hoffen, dass man insbesondere mithilfe der Forschungsarbeit an molekularen Markern Abläufe des Körpers besser verstehen lernt und die Effekte des Sports auf den Körper wesentlich präziser erfassen kann“ (Breitbach, 2011, S.44).

Exkurs: Die Genetik macht zwar gewaltige Fortschritte, aber das darf nicht zu einer Unterschätzung der Umweltfaktoren führen (→Expertiseforschung). „Der starre Blick auf die Gene hat uns die Sicht auf das versperrt, was bei der Entwicklung der Persönlichkeit wirklich wichtig ist – dass sie nämlich ein faszinierender Prozess der Selbstorganisation ist“ (Hirnforscher Prof. Hüther in SPIEGEL 44/2017, S.116)

„Vererbung ist die Gesetzmäßigkeit der Natur, die dafür sorgt, dass unerwünschte Eigenschaften der Kinder immer vom anderen Elternteil stammen“  Verfasser unbekannt

Mehr zum Thema

Quellen

  • Breitbach, S. (2011). Genetische und molekulare Tests am Athleten: eine Herausforderung für die Sportwissenschaft. medicalsports network 1 (11), 42-44 Zur Quelle
  • Lanegger, J. (2008). Nutzen von genetisch gespeicherten Antwortmustern im Sport. Leistungssport 2/51-54 Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • Gendoping„die nicht therapeutische Anwendung von Zellen, Genen …
  • GenanalyseAuch DNA-Analyse, Gentest: molekularbiologisches Verfahren zur Bestimmung der DNA …
  • Desoxyribonukleinsäure (DNA)Grundtyp der Nucleinsäuren mit der molekularen …
  • TalentLat. talentum „Gabe“; Begabung für überdurchschnittliche Leistungen auf einem bestimmten …
  • VererbungÜbertragung genetischer Informationen (Erbanlagen) an die Nachkommen.
  • MuskelfasertypenJe nach Kontraktions- und Stoffwechselverhalten der Muskelfasern …
  • Genomforschung/Genomik (genomics), seit etwa vierzig Jahren betriebene Forschung zu den genetischen …
  • Erbanlage/Erbgut (genetic trait; hereditary factor), „die auf den Genen beruhende Potenz eines Organismus …
  • Adaptation, biologischeLat. ‚adaptare‘, anpassen, verändern; Anpassung …
  • AnlageVeranlagung (disposition), Erbgut; die in den Chromosomen angelegte Disposition (Genotyp) …
  • AnpassungsreserveNach Mader (1990) die individuell bedingte Grenze ausschöpfbarer …
  • Ansteuerung, neuromuskuläreAktivierung der Muskelfasern (Aktionspotential) …

Schlagwörter

Überarbeitet am 21. Mai 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Genetik. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/genetik/ (abgerufen am 11. Oktober 2026).