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Begriff

Stufentest

Stufentest (Steptest), Test mit stufenförmig ansteigender Belastung, der im Rahmen allgemeiner Gesundheitsuntersuchungen zumeist auf dem Fahrradergometer (mit EKG-Ableitung) oder zur Diagnose der spezifischen Ausdauer im Wasser (Feldtest) durchgeführt wird. Der Name ist historisch bedingt, da in den Anfängern der Ergometrie eine Einfach- oder Doppelstufe mit verstellbarer Höhe und bestimmter Geschwindigkeit innerhalb von 3-6 min bestiegen wurde.

Im Schwimmen sind der Senkentest nach BRAUMANN (später Laktat-Minimum-Test genannt), der SIMON-Test, der OLBRECHT-Test (https://www.lactate.com/aerobic_anaerobic_animation.html, Zugriff 17.03.24) und der PANSOLD-Test bekannt. Letzterer hat sich in der komplexen Leistungsdiagnostik des DSV durchgesetzt. Wenn nur mit dem Parameter Puls gearbeitet werden kann, dann kann auch der CONCONI-Test durchgeführt werden.

Die mit den Stufen ermittelten Schwimmgeschwindigkeiten und Laktatwerte werden auf eine mathematisch berechnete Kurve (→ Laktat-Leistungskurve) übertragen. Je mehr Stufen geschwommen werden, so gesicherter sind der Kurvenverlauf und damit die davon abgeleiteten Prognosewerte zur Trainingssteuerung. Mit dem Stufentest soll die ganze Bandbreite des Ausdauertrainings bis zur Ausbelastung (vita-maxima-Belastung) erfasst werden. Der Wert des Stufentests erschließt sich besonders aus der Längsschnittbetrachtung, mit der die Wirksamkeit des Ausdauertrainings eingeschätzt werden kann.

Die zahlreichen bei Stufentests entwickelten Verfahren zur Bestimmung der individuellen Schwelle unterscheiden sich zumeist nur im Fehlerbereich des Parameters Laktat. Individuell angepasste Schwellen bieten angesichts der Einwände kaum Vorteile, entscheidend ist in der Trainingssteuerung die praktische Erfahrung (MAREES 1992). Der Stufentest kann einmal zur Bestimmung des GA-Niveaus über 200/400m Freistil geschwommen werden und dann noch im Distanzbereich der Hauptschwimmart (z.B. 100m Schmetterling).

Im Interesse eines aussagekräftigen Längsschnittvergleichs sollte der Test immer im gleichen Abstand zu den Hauptwettkämpfen und mindestens einmal pro Makrozyklus durchgeführt werden. Popov schwamm z.B. in einer vierwöchigen Trainingsperiode drei Tests, den ersten nach 10 Tagen Ausdauertraining, den zweiten, nach 20 Tagen Ausdauertraining und den dritten nach 7 Wettkampftagen (Touretzki & Pyne 1993).

Exkurs zum Stufentest

Seit Mader (1976) wurden zahlreiche Schwellenkonzepte entwickelt, die auf dem Grundprinzip des Stufentests beruhen, sich aber in den Belastungskomponenten (Stufenanzahl und -dauer, Spezifität usw.) teilweise unterscheiden. Heck (1990) kommt nach einem Vergleich dieser Konzepte zu dem Ergebnis, „dass die individuell-aeroben Schwellen das maximale Laktat-steady-state nicht besser abschätzen als die fixe 4-mmol/l-Schwelle“ (S. 164).

Andere Wissenschaftler kritisieren, dass die zwischen den sportmedizinischen Schulen geführte Diskussion über Schwellenmodelle eindeutig zu Lasten der Athleten gehe (Ferrauti, 2008, S.32). In Verbindung mit neuen Erkenntnissen zum Laktat weiß dann der SPIEGEL zu berichten: „Alles Quatsch, weiß die Wissenschaft heute. Laktattests bringen kaum etwas“. (Mertin, A.: Der Irrglaube vom schädlichen Laktat. SPIEGELonline vom 8.06.2013).

Doch geben wir wieder den wirklichen Experten das Wort: „Die Tatsache, dass mehr als 30 Jahre Fokus auf unterschiedliche Schwellenkonzepte das diagnostische Potenzial der Laktatleistungskurve möglicherweise nicht wirklich nutzte, ist jedoch kein Argument, laktatgestützte Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung aufzugeben. Sie kennzeichnet vielmehr erheblichen Forschungsbedarf“ (Heck & Benecke, 2008, S.300).

Kölner Sportwissenschaftler konnten nach einem Vergleich der Testprotokolle des Fünfstufentest nach Pansold et al. (1985), des nx3min-Stufentest nach Zinner et al. (2011) und des 30min-Test nach Olbrecht (1985) keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Fünfstufentest mit konstanter Streckenlänge und dem nx3min-Test mit konstanter Belastungsdauer festgestellt werden. Jedoch wurden signifikante Unterschiede zwischen den Geschwindigkeiten am ermittelten Maximal Lactate Steady State (MLSS) gefunden (Krüger et al. 2014). Um eine hohe Genauigkeit und Sensitivität zu gewährleisten, wurden beim „nx3min-Test“ feste Stufendauern in Kombination mit einer feinen Auflösung der Inkremente (≤ 0,03 m∙s-1) verwendet (Keller 2022). Dieser Stufentest wird ab Trainingsjahr 2025/26 in die Leistungsdiagnostik des DSV eingeführt. Da er aber an Lichtleisten gebunden ist, bleibt er als „Semi-Feldtest“ den Diagnosezentren vorbehalten.

Aus einem halben Jahrhundert Erfahrung mit Stufentests im Schwimmen und dem immer noch anhaltendem „Hick-Hack über den besseren Test“ kann ich mich nur Hecks Empfehlung anschließen (Heck, 1990, S.135), welches Konzept der einzelne Untersucher bevorzugt, hängt vor allem von der Erfahrung ab, die er mit einem Verfahren gewonnen hat. Entweder der Trainer sammelt die Erfahrung selbst (Pansold-Test) oder er „kauft“ sich einen Berater (Olbricht), was aber seiner Entmündigung nahekommt (Hartwich, 2023).

Mehr zum Thema

Quellen

  • De Marees, H. (1992). Sportphysiologie. Köln: MEDA Manufacturing GmbH Alexander Schäfer Zur Quelle
  • Ferrauti, A. (2008). Nachwuchsförderung auf dem Prüfstand – eine Mängelliste aus trainingswissenschaftlicher Sicht. In Sport ist Spitze. Meyer & Meyer-Aachen Zur Quelle
  • Hartwich, P. (2023). Vergleich verschiedener Leistungsdiagnostischer Verfahren im Schwimmsport, DSTV-Reihe, Bd. 48, 119-140 Zur Quelle
  • Heck & Benecke (2008). 30 Jahre Laktatschwellen – was bleibt zu tun? Dt. Z. für Sportmedizin, 12/2008, 297-302 Zur Quelle
  • Krüger, Wahl, Zinner & Mester (2014). Evaluation und Validierung eines neuen Stufentestprotokolls im Leistungsschwimmen zur verbesserten Annäherung an das maximale Laktat Steady-State. DSHS Köln Zur Quelle
  • Mader, Liesen, Heck, Philipp, Rost, Schürch & Hollmann (1976). Zur Beurteilung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit im Labor. Sportarzt und Sportmedizin. 4 (24) S. 80 und 5 (26) S. 109 Zur Quelle

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  • AlkoholKohlenwasserstoffe, deren H-Atome durch Hydroxylgruppen (-OH) ersetzt sind.
  • AusbelastungKategorie der Arbeitsphysiologie für eine Belastung bis zur subjektiv …
  • BelastungspulsUnmittelbar nach einer sportlichen Belastung gemessene Herzfrequenz.
Überarbeitet am 28. März 2026Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2026). Stufentest. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/stufentest/ (abgerufen am 17. Oktober 2026).