Charakter

23. März 2017 C 0

Charakter (character), (griech. charakter „Prägestempel, Eigenart“; wesentliche Verhaltens– und Einstellungsmerkmale eines Menschen, Tieres oder Volkes. Der Charakter ist das Produkt von Anlagen (Erbe) und erworbenen Einstellungen und Erfahrungen und macht das Besondere eines Menschen (→Individuum) aus. Umgangssprachlich suggeriert Charakter eine gewisse Bestimmtheit des Menschen („er hat einen schwachen Charakter“) und erfährt so eine moralische Wertung, während der Begriff  „Persönlichkeit“ mehr den Menschen aus seiner lebensgeschichtlichen Entwicklung erklärt.

In der Psychologie bedeutet Charakter immer die individuelle und besondere Ausprägung von Veranlagungen (Beharrlichkeit, Ehrlichkeit, Einsatzbereitschaft), die der Trainer kennen und erzieherisch nutzen sollte. Die allgemein gebräuchliche und pauschalisierte Aussage „Sport forme den Charakter“, kann wissenschaftlich nicht belegt werden. So kann sich die Sozialisationswirkung des Sports sowohl positiv als auch negativ auswirken. Der bekannte amerikanische Sportpsychologe Ogilvie veröffentlichte 1971 einen Artikel mit dem Titel „Sport: Wenn Du Deinen Charakter entwickeln möchtest, probiere was anderes“. Es muss aber auch kritisch vermerkt werden, dass die Sozialisationspotentiale des Sports noch längst nicht ausgelotet, geschweige denn genutzt sind (Singer, 2000).  Zudem ist zu berücksichtigen, dass Persönlichkeitseigenschaften sehr spezifisch sein können. Deshalb erscheint auch manchem Trainer die kritische Position manches Wissenschaftlers aus seinem Praxisverständnis fragwürdig. →Fair play

Sport könnte „charakterbildend“ wirken, wenn:

  • die Sportler in der Trainingsgruppe ihre Perspektiven koordinieren und darauf fußend Teamgeist entwickeln,
  • sich die Sportler darüber austauschen, welche Regeln ihr sportliches Handeln leiten sollten und deren Einhaltung regelmäßig überprüfen,
  • klar unterschieden wird, was moralisch akzeptabel ist und was nicht,
  • der Trainer die Selbstbestimmtheit der Sportler entwickelt und
  • darauf achtet, dass sich unter den Sportlern kein Machtungleichgewicht entwickelt (nach Shiels & Bredemeier, 1995, S. 209f).

„Wer keinen Charakter hat, ist kein Mensch, sondern eine Sache“ Nicolas Chamfort (1741 – 1794), französischer Dramatiker

Exkurs: „Sport versaut den Charakter“ ist ein Spruch, der in den letzten Jahren dank der Dopingskandale und Korruption (Football-Leaks) an Fahrt aufgenommen hat. Ist wirklich der Sport die Quelle des Übels oder die zunehmende Kommerzialisierung des Sports? Richtig ist also „Geld versaut den Charakter“. Und das ist im Sport nicht anders als in der Gesellschaft überhaupt.


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