Geschlechtsdimorphismus

21. Mai 2017 G 0

Geschlechtsdimorphismus (sexual di-morphism), griech. dímorphos „zweigestaltig;“ nicht auf die Geschlechtsorgane bezogene geschlechtsspezifische Unterschiede in Anatomie und Physiologie, Psyche bis zu den konditionellen und koordinativen Fähigkeiten. Die Divergenzen beginnen im frühen Jugendalter und formen sich zum Erwachsenenalter hin voll aus. Dabei erlangen die Mädchen etwa mit 16 Jahren die Vollreife, die Jungen etwa zwei Jahre später.

Schwimmerinnen erreichen im Mittel nur 93% der Körperhöhe der Schwimmer, haben weniger Muskelmasse und demzufolge auch nur etwa 70% der spezifischen Kraft. Trotz dieser ungünstigeren Ausgangssituation schwimmen sie nur etwa 10% langsamer als die Schwimmer, wobei dieser Unterschied mit zunehmender Streckenlänge geringer wird. Das ist ein Spezifikum des Schwimmsports (im Vergleich zu anderen Ausdauersportarten), da der höhere Fettanteil besonders bei langsameren Schwimmgeschwindigkeiten von Vorteil ist, während bei hohen Geschwindigkeiten mehr Kraft und Hebel wirken und größere Körpermasse eher hinderlich ist (Stager u.a. 1984, Bremer, 2003). Ferner sinken die Beine bei niedrigeren Schwimmgeschwindigkeiten nicht so stark ab wie bei den Schwimmern, die ein höheres Drehmoment der Beine im Verhältnis zum Rumpf haben (Gagnon & Montpetit, 1981). Schwimmerinnen erreichen das Hochleistungsalter 1-2 Jahre eher, was teilweise bei Wettkämpfen (JEM), Kadernormen und insgesamt der Talentförderung berücksichtigt wird. Insgesamt sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede wohl weitaus größer als bisher angenommen. So gehen Wizemann & Pardue (2001) nach umfangreichen Genom-Untersuchungen sogar davon aus, dass jede Zelle ein Geschlecht habe. →Koedukation, →Talentauswahl

Vergleich körperlicher- und Leistungsparameter zwischen Schwimmern und Schwimmerinnen (Schwimmer = 100%)

 

Exkurs: „Die Besonderheiten der Adaptation des weiblichen Organismus an körperliche und psychische (emotionale) Belastungen sind anders als bei den Männern. Im Organismus von Männern und Frauen kommen dieselben Hormone vor, jedoch in unterschiedlichen Mengen und Verhältnissen. Dadurch entstehen die Geschlechtsunterschiede, woraus der Dimorphismus resultiert, den es genau zu untersuchen und zu beachten gilt. Die Gesetzmäßigkeiten der Bildung von Anpassungsreaktionen des weiblichen Organismus an Veränderungen des äußeren und inneren Milieus sind äußerst unzureichend erforscht.“ (Tschiene in Leistungssport 5/2013, S.43)


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