Cheftrainer

23. März 2017 C 0

Cheftrainer (head coach), Leitender Trainer eines Trainingsverbandes (→Verband, →Stützpunkt, Leistungszentrum, Verein) mit vorwiegend koordinierender Funktion: Trainings– und Wettkampfplanung, Gruppenstruktur, Trainereinsatz, zumeist auch mit der Führung der 1. (Leistungs-, Wettkampf-) Gruppe beauftragt.

Eine Analyse der Merkmale, Qualifikation international erfolgreicher Cheftrainer im Schwimmen ergab:

  • Die Mehrheit hat eine solide akademische Ausbildung, aber nicht unbedingt in Sportwissenschaft
  • Mit der steigenden Trainingsbelastung („Tendenz „race-pace“) setzen sich zunehmend Psychologen, Physiologen und Manager durch,
  • Viele verfügen über eigene Erfahrungen als Leistungssportler (ist aber keine Bedingung),
  • eine große Rolle spielte in ihrer Karriere das Lernen (assistieren) bei erfahrenen Trainern
  • und stete Fortbildung auf hohem Niveau (Trainervereinigungen ascta, asca, asa…).
Die Anstellung eines Cheftrainers kann auf der Grundlage eines Arbeitsvertrages gemäß § 611 a BGB erfolgen. Dieser wird bei Cheftrainern in der Regel als Vollzeitvertrag abgeschlossen. Der Cheftrainer ist weisungsgebunden und in die Ablauforganisation eines Verbandes oder Vereines dergestalt eingebunden, dass die vom Arbeitgeber festgelegte Arbeitszeit, der Ort und die Dauer der Tätigkeit, sowie Inhalt und Durchführung vorgegeben wird (DOSB: Berufstrainer im Sport, Frankfurt, September 2017, S. 14).

Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen 2020 hat der DSV auf den Einsatz eines Cheftrainers nach bisherigem Rollenverständnis verzichtet und sich zur Führung der Nationalmannschaften bei den internationalen Meisterschaften für das amerikanische Modell entschieden: Aus den Reihen des Trainerteams wird ein Cheftrainer bestimmt, der in enger Rückkopplung mit dem Direktor Leistungssport die sportfachlichen Prozesse führt. Hinzu kommt ein professionelles Teammanagement, das alle logistischen und relevanten Managementabläufe der Nationalmannschaftsmaßnahmen der Männer/Frauen organisiert. Im medizinisch-physiotherapeutischen Bereich werden jeweils Expertenteams berufen, die im Jahresverlauf die zentralen komplexen Trainingslagermaßnahmen und die internationalen Meisterschaftseinsätze betreuen. Die trainings-wissenschaftliche Begleitung gestalten – in Abhängigkeit der Leitmethodik der Disziplinen – die Spezialisten des IAT Leipzig und des OSP Hamburg (http://www.dsv.de/schwimmen/aktuelles-schwimmen/lesen/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4427&cHash=3db725673dda75371c7db85fbea429e0, Zugriff am 22.12.2018)

Exkurs: „Ich habe jahrelang um die Macht und Verantwortung in meinem Bereich gekämpft. Das Wort Macht klingt sehr negativ, aber wenn man als Trainer keine Macht besitzt, hat man auch keinen Einfluss und keine Möglichkeit, etwas zu verändern. Und ich war immer derjenige, der sich zu Wort gemeldet hat. Früher war das viel schlimmer, da haben die Ehrenamtlichen, die Sportwarte viel mehr mitgeredet. Denen und den anderen Gremien habe ich mit der Zeit klar gemacht, dass ich jede Verantwortung ablehne, wenn ich keine eigenständigen Entscheidungen treffen kann. Wo ich entscheiden kann, da trage ich auch die Verantwortung.“ (Josef Capousek, ehemaliger Cheftrainer im Deutschen Kanu-Verband, Interview mit E. Pfaff in Leistungssport 3/2005, 13-17). Einige Jahre später begründet der Cheftrainer der Schwimmer henning Lambertz seinen Rücktritt mit Unstimmigkeiten und Bevormundung durch den neuen Leistungsportdirektor. Er empfand dies als Entmachtung. „Ich denke, derjenige, der verantwortlich ist für das Abschneiden, sollte auch die Möglichkeit besitzen, die Entscheidungen zu treffen“ (Sport 1 vom 21.12.2018),


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