Belastungsmonitoring

21. März 2017 B 0

Belastungsmonitoring (human-biomonitoring), von Monitoring = Beobachtung, Überwachung, erweitert Dauerbeobachtung eines bestimmten Systems. In der Medizin die systematische Messung der Konzentrationen von Stoffen oder deren Stoffwechselprodukten (→Metaboliten) in human-biologischen Materialien (→Blut, →Serum, Muttermilch, →Harn, Haare, Zähne, Ausatmungsluft, Sektionsmaterial etc.). Mit dem Umwelt-Monitoring wird z.B. die Schadstoffbelastung der Bevölkerung erfasst. Oder denken wir an die Monitore auf einer Intensivstation, die den Verlauf lebenswichtiger Messgrößen anzeigen. →Belastungsmaß,

Auf die Trainingswissenschaft übertragen ist Belastungsmonitoring ein Element der Trainingssteuerung, „die kontinuierliche Dokumentation von psycho-biologischen Markern“ (Mester, 2008). Dabei interessiert besonders die messbare Veränderung dieser Parameter durch die Trainingsbelastung (Effektmonitoring).  Auch bei den im Training des Schwimmers erfassten Messgrößen zählt der Weg vom einfachen zum besonderen:

Wesentliche dabei ist, dass diese Parameter kontinuierlich erfasst werden (→Längsschnittvergleich)

Je spezifischer dieser Weg wird, umso mehr sind Sportler und Trainer auf die Unterstützung von Sportmediziner, →Biomechaniker angewiesen, z.B. Standards in der sportmedizinischen Forschung (wie die Stamm- und Progenitor-zell-vermittelte Regeneration“  – Bloch, 2015, S.3). Kölner Sportwissenschaftler beziehen das folgende Statement zum aktuellen Belastungsmonitoring im Leistungssport (4. Symposium von momentum, Köln 2008):

„1. Traditionelle Kategorien (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer etc.) sind für eine moderne Leistungssteuerung, besonders im Hochbelastungsbereich, nicht mehr zeitgemäß.

2. Es sollte eine spektrale Sichtweise verstärkt werden, die fließende Übergänge zwischen vorwiegend mechanischen und metabolischen Belastungselementen vorsieht.

3. Auch an den Enden des Spektrums („Mechanik“ resp. „Kraft“ sowie „Metabolik“ resp. „Ausdauer“) liegen wichtige Kenngrößen des jeweils anderen Endes vor: Kein „Krafttraining“ ohne metabolische Anforderungen, kein „Ausdauertraining“ ohne mechanische Anforderungen.

4. Traditionelle Vorstellungen über die Bedeutung umfangorientieren Trainings zur Verbesserung der aeroben Ausdauer sollten überdacht werden. Es liegt eine Vielzahl von Hinweisen aus gut gesicherten Studien der internationalen Literatur vor. Diese zeigen Trainingseffekte für die sog. Grundlagenausdauer, ausgedrückt durch die maximale Sauerstoffaufnahme, die durch ein hoch-intensives Trainings besonders wirksam und in kurzer Zeit gesetzt werden konnen. Das gilt für den Nachwuchsbereich in ähnlicher Weise wie für den höchsten Leistungsbereich.

5. Laktat ist als alleinige Kenngröße für die energetische Leistungsfähigkeit unzureichend. Traditionelle Laktatschwellenkonzepte zur Steuerung der Intensitäten können von der Messung und der Interpretation mit erheblichen Fehlern behaftet sein.

6. Immer wichtiger werden Messgrößen, die uns direkte Informationen über Reaktionen und Anpassungen im Zielgewebe geben.

7. Die Gefahr einer akuten und chronischen Überlastung („overreaching“) bis hin zum Übertraining („overtraining“) ist zu berücksichtigen. Einfache Kenngrößen (Ruhe-Herzfrequenz, Ruhe-Temperatur, Körpergewicht) können hier ebenso helfen, den akuten Belastungszustand und chronischen Belastungsverlauf zu dokumentieren und beeinflussbar zu machen. Moderne Labormethoden sind in der Lage, differenzierte Messgrößen (Biomarker) zu Verfügung zu stellen, mit denen auf hohem Niveau ein „Belastungsmonitoring“ ermöglicht wird.“

Exkurs: Und wer bezahlt das, zumal unter Monitoring eine Dauerbewachung verstanden wird? So werden Begriffe schnell mal aus der Intensivstation in die Sportstätte übertragen. Bei allem Hype um den verkabelten Sportler, unterschätzt nicht das Einfühlungsvermögen des erfahrenen Trainers.


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