Kindesmisshandlung

06. Juni 2017 K 0

Kindesmisshandlung/Kindesmissbrauch (child abuse), „nicht zufällige, bewusste oder unbewusste, gewaltsame, psychische oder physische Schädigung, die in Familien oder Institutionen (beispielsweise Kindergärten, Schulen, Heimen) geschieht, die zu Verletzungen, Entwicklungshemmungen oder sogar zum Tod führt und die das Wohl und die Rechte eines Kindes beeinträchtigt oder bedroht. (Bast, 1975, nach: Senatsverwaltung Berlin, 2002, S. 6). →Pädophilie

Formen der Kindesmisshandlung sind: Vernachlässigung, seelische oder emotionale Misshandlung und sexueller Missbrauch. Kindesmisshandlung ist ein Strafbestand. Deshalb verpflichten sich die Trainer in ihrem Ehrenkodex „keine Gewalt gegenüber Athletinnen und Athleten anzuwenden, insbesondere keine sexuelle Gewalt“. Nach einer Befragung unter Leistungssportler hat gut ein Drittel ein Mal im Leben sexualisierte Gewalt im Sport erfahren. Bei einer von 30 Personen ist dies sogar schwere sexualisierte Gewalt. Die Ergebnisse der Befragung entsprechen somit den Prävalenzen bevölkerungs-repräsentativer Studien (Ohlert et al. 2017: https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/open_archive/ls/lsp17_03_44_47.pdf. -Zugriff 19.11.2019).

Exkurs: Die zahlreichen Beispiele von Kindesmisshandlungen aus Fernsehen und Presse, auch aus dem Bereich des Sports, führen bei einigen Trainern zu Verunsicherungen im Umgang mit Kindern. Aus Angst, unter falschen Verdacht zu geraten, verzichten immer mehr Erzieher, Lehrer und eben auch Trainer auf Zärtlichkeiten, Schmusen, Trösten, Balgen bis zu Hilfestellungen beim Sport. „Mit Kindern zu schmusen, sie zu trösten, mit ihnen zu kuscheln oder gemeinsam nackt zu baden, ist bei weitem kein sexuelles Vergehen; Kinder benötigen solche Körperkontakte für eine gesunde emotionale Bilanz…. Trotz und wegen der hysterischen Diskussion um sexuelle Übergriffe muss aus erzieherischen Gründen auch gegen gehalten werden: Eltern und Pädagogen sollten gerade jetzt ermuntert werden, häufig Körperkontakt als Mittel der Erziehung einzusetzen, und zwar, wenn er von jungen Menschen akzeptiert oder gewollt wird“ (Struck, 1995).  Bei Verdacht auf Kindesmissbrauch, insbesondere auf sexuellen Missbrauch, sollte immer ruhig und besonnen vorgegangen, keine voreiligen Schlüsse gezogen und der Fall mit Experten (Erziehungsberatungsstelle, Jugendamt) abgeklärt werden. Schlüsselfaktoren für Kindesmissbrauch sind Alkohol– und Drogenmissbrauch, Gewalt unter den Erwachsenen einer Familie sowie Armut und Stress.

Kindesmisshandlung findet hauptsächlich in schwer zu erreichenden Familien statt und sie ist kaum festzustellen, da sich die kleinen Opfer nicht melden. Sie schämen sich, weil sie glauben an der Vernachlässigung und Misshandlung selbst schuld zu sein. Sie suchen dann Zuneigung, die sie zuhause nicht bekommen. Zeichen von äußerer Misshandlung (z.B. Hämatome) versuchen sie zu verstecken. Die kleinen Schwimmer bleiben dann dem Training fern. →Kindeswohl

„Rettet das Kind, und die Strafgesetze für Männer sind überflüssig“. Jean-Baptiste Victor Théophile Roussel (1816 – 1903), französischer Politiker

Mehr zum Thema: SCHUTZ VON KINDERN & JUGENDLICHEN IM SPORT (DOSB -https://safesport.dosb.de/- Zugriff 19.11.2019)


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